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18. Ringvorlesung Gender Studies "Recht und Geschlecht" – SoSe 2018

Öffentliche Vortragsreihe unter der Leitung von Elisabeth Holzleithner, Universitätsprofessorin für Rechtsphilosophie und Legal Gender Studies an der Universität Wien, in Zusammenarbeit mit dem Referat Genderforschung der Universität Wien.

Termin: Dienstag ab 10.04.2018 / 18.30 Uhr

Ort: Dachgeschoß im Juridicum, Schottenbastei 10-16, 1010 Wien

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Die Benachteiligung aufgrund des Geschlechts war nie bloß ein soziales Phänomen. Vielmehr wurde (und wird) sie durch Recht normativ abgesichert und „legitimiert“. Schon aus diesem Grund muss eine emanzipatorische Politik der Geschlechtergleichstellung immer auch Rechtspolitik sein, geht es doch darum, rechtliche Benachteiligungen abzubauen und im Weiteren das Recht als Medium zur Gleichstellung einzusetzen. Die Vorträge der Ringvorlesung widmen sich der Frage, ob die damit verbundenen Hoffnungen berechtigt sind und beleuchten die einschlägigen Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven.

Es beginnt ganz grundlegend mit der Frage, wie das Recht die Kategorie Geschlecht institutionalisiert und was das für Personen bedeutet, die sich dem üblichen binären Geschlechterschema entziehen. Ein Dauerbrenner feministischer Auseinandersetzungen mit dem Recht ist die reproduktive Autonomie; hier wird auf den Zugang zu Mitteln der Reproduktionsmedizin und die damit verbundenen Annahmen über Geschlechterrollen und anerkannte Formen des menschlichen Zusammenlebens fokussiert. Intersektionale Dimensionen stehen im Zentrum, wenn entlang der #MeToo-Initiative das Zusammenspiel von Gender und Race im Menschenrechtsdiskurs elaboriert wird. Menschenrechtsfragen sind auch in einer der heftigsten Debatten der letzten Jahre betroffen, jener um aus religiösen Motiven getragene Bekleidung. Die an Frauen gerichteten Enthüllungsgebote werden unter anderem entlang aktueller Gerichtsurteile untersucht. Der letzte Vortrag in der Reihe widmet sich jenen menschenrechtlichen Regelungen, die geschlechtsspezifische Gewalt unterbinden wollen, auch wieder aus intersektionaler Perspektive.

Alle Vorträge sind öffentlich. Die Ringvorlesung kann aber auch als Lehrveranstaltung im Masterstudium Gender Studies, im Erweiterungscurriculum Anwendungen Gender Studies und im Wahlfachkorb Legal Gender Studies absolviert werden. Dafür ist eine reguläre Anmeldung sowie der Besuch eines Lektürekurs erforderlich, dieser findet in den Zwischenterminen der Vorlesung statt: 20.3.2018, 17.4.2018, 15.5.2018, 29.5.2018, 12.6.2018 jeweils im Sem 34, Juridicum.

Vortrags-Termine

10.04.2018 Einführung: Legal Gender Studies

Univ.-Prof.in Dr.in Elisabeth Holzleithner, Institut für Rechtsphilosophie, Universität Wien


24.04.2018 Geschlechterkonstruktionen: Autonomie und Anerkennung von Genderdiversität im Recht

Dr.in Marija Petričević, Gleichbehandlungsanwältin, Wien

In Bezug auf das Geschlecht einer Person nimmt die Rechtsordnung die Rolle einer Verwalterin der mit diesem verbundenen gesellschaftlichen und rechtlichen Wirkungen ein. Die Geburt intergeschlechtlicher Kinder oder der Wunsch nach einer Geschlechtsangleichung transgeschlechtlicher Menschen stellen das Recht vor die Frage der Anerkennung von Genderdiversität. Bei Betrachtung der diesbezüglich gewährten Optionen tritt die einschränkende Dimension eines binär geprägten Geschlechtersystems besonders deutlich in Erscheinung. Der Vortrag behandelt die grundlegende Frage nach der rechtlichen Konstruktion von Geschlecht und widmet sich rechtsvergleichend dem Zusammenhang zwischen geschlechterstereotypen Vorgaben im Personenstandsrecht und den damit speziell für inter- und transgeschlechtliche Menschen einhergehenden Folgen. Dabei wird das Augenmerk insbesondere auf neuere Entwicklungen gelegt, welche eine Erweiterung des rechtlichen Geschlechterspektrums um eine „Dritte Option“ vorsehen.

Dr.in Marija Petricevic verfasste im Fachbereich Legal Gender Studies an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Wien eine Dissertation zum Thema „Rechtsfragen zur Intergeschlechtlichkeit“. Die Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet – zuletzt mit einem „Gabriele Possanner Förderungspreis 2017“. Beruflich ist sie als Anwältin für Gleichbehandlung bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft beschäftigt, und sie engagiert sich ehrenamtlich bei der Plattform Intersex Österreich.


08.05.2018 Reproduktive Autonomie durch Medizin und Recht?

Univ.-Ass.in Dr.in Caroline Voithofer, Institut für Zivilrecht, Universität Innsbruck

Die rechtliche Regulierung der medizinisch unterstützten Fortpflanzung (muF) hat in Österreich im Jahr 2015 einen Liberalisierungsschub erfahren. So sind nunmehr alle zulässigen muF-Methoden (von Eizell-/Spermaspende über In-Vitro-Fertilisation) für gleich- und verschiedengeschlechtliche Paare formell unter den gleichen Voraussetzungen zugänglich. Im Vortrag wird der österreichische Regelungsrahmen der muF präsentiert und anschließend daraufhin untersucht, inwieweit dieser reproduktive Autonomie der Einzelnen fördert oder hemmt. Dabei wird insbesondere die theoretische Möglichkeit einer Trennung von Sex, (Nah-)Beziehungen und Reproduktion mittels muF in den Mittelpunkt gerückt, und es werden „Queering“-Potentiale innerhalb des rechtlich Möglichen diskutiert.

Caroline Voithofer ist Universitätsassistentin am Institut für Zivilrecht an der Universität Innsbruck und arbeitet an ihrer Habilitationsschrift zu dem Arbeitstitel „Zulässigkeitsgrenzen von Rechtsgeschäften bezogen auf den (eigenen) Körper“. Sie ist Redaktionsmitglied des juridikum - zeitschrift für kritik ? recht ? gesellschaft.


22.05.2018 Gender, Race and Human Rights: Me Too! (in englischer Sprache)

Professor Adrien Katherine Wing, Bessie Dutton Murray Distinguished Professor of Law, University of Iowa; Director, UI Center for Human Rights; 

In this presentation, I focus on the burgeoning #Me Too! movement in the United States from the perspective of women of color.  These women include Blacks, Latinas, Asians, Native Americans, and Muslims, among others. They are often at the bottom economically, politically, and educationally. They are least able to take advantage of the protections available in the various local and national laws. To discuss their realities, I will use the framework known as Critical Race Feminism. CRF derives from Critical Legal Studies, Critical Race Theory (CRT), and feminist jurisprudence.  CRF interjects feminist analysis into CRT and related movements, and a race/ethnicity analysis into traditional feminism. CRF also links to “womanist” thought developed by women of color outside the legal academy.  One of the key contributions of CRF is the notion of intersectionality. Women of color face an intersectional reality where their various identities including race, gender, ethnicity, class, religion, and sexual orientation may intertwine to cause them to face precarious conditions both literally and figuratively in which they get left out of the #Me Too momentum. This omission is especially ironic as an African American woman initially coined the term “Me Too.”  I will use CRF methodology to illustrate how women of color can use a coalitional approach to transcendence within #Me Too and beyond it. 

 


05.06.2018 Enthüllungsgebote – Regulierung weiblicher Bekleidung

Prof.in Dr.in Ute Sacksofsky, Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Über lange Zeit wurde von Frauen verlangt, sich stärker zu verhüllen. Mit der Zuwanderung von Muslimas hat sich dies verändert: Verlangt wird seit einigen Jahren die „Enthüllung“. Verbote von Burka und Kopftuch werden in vielen Ländern Europas diskutiert, teilweise auch praktiziert. Zahlreiche Gerichtsentscheidungen, insbesondere auch des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, sind hierzu ergangen. Der Vortrag behandelt die Probleme, die solche „Enthüllungsgebote“ aufwerfen.

Ute Sacksofsky ist seit 1999 Universitätsprofessorin für Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie ist Vizepräsidentin des Staatsgerichtshofes des Landes Hessen, Pro-Dekanin des Fachbereichs Rechtswissenschaft und Mitglied im Vorstand der Vereinigung der deutschen Staatsrechtslehrer. In zahlreichen Anhörungen von Bundestag und Landtagen sowie der Gemeinsamen Verfassungskommission war sie als Sachverständige tätig.

Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Verfassungsrecht, Geschlechterstudien im Recht, Verfassungsrechtsvergleichung USA, Finanz- und Abgabenrecht.


19.06.2018 Geschlechtsbezogene Gewalt als Menschenrechtsverletzung

Prof.in Dr.in Sarah Elsuni, Recht der sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Recht der Frau/Legal Gender Studies, Frankfurt University of Applied Sciences

Geschlechtsbezogene Gewalt als Menschenrechtsverletzung – eine Feststellung, die banal klingt. Tatsächlich musste die Anerkennung von geschlechtsbezogener Gewalt als Verletzung internationaler Menschenrechte insbesondere durch Aktivist_innen der zweiten, (auch) internationalen Welle der Frauenbewegung und feministischen Jurist_innen erst erkämpft werden. Der Vortrag gibt einen Überblick über diese Entwicklung sowie über die einschlägigen internationalen Menschenrechte (v.a. Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau „CEDAW“ und Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt „Istanbul-Konvention“) sowie über weitere internationale Menschenrechtsdokumente wie The Yogyakarta Principles on the application of international human rights law in relation to sexual orientation and gender identity. Schließlich wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die Gewährleistungen der Internationalen Menschenrechte auf nationale Rechtsordnungen haben.

Sarah Elsuni ist Professorin für Recht der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Recht der Frau/legal gender studies an der Frankfurt University of Applied Sciences; zuvor vertrat sie sechs Jahre die Professur für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Humboldt Universität zu Berlin und war als Referentin für Grundsatz und Forschung bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes tätig. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Grund- und Menschenrechte im Mehrebenensystem, Antidiskriminierungsrecht, Legal Gender Studies & Theory, Recht und Verdatung.

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