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19. Ringvorlesung (Wintersemester 2018/19): Demokratie – Repräsentation – Geschlecht

Öffentliche Vortragssreihe unter der Leitung von Birgit Sauer (Universitätsprofessorin am Institut für Politikwissenschaft) und Maria Mesner (Universitätsdozentin am Institut für Zeitgeschichte/Leiterin Referat Genderforschung)

100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich bieten im Jahr 2018 vielfach Anlass zum Feiern. Das Wahlrecht war ein wichtiger Erfolg der Frauenbewegungen des 19. Jahrhunderts und sollte liberale Demokratie, politische Partizipation und Repräsentation ganz fundamental ändern. Die Ringvorlesung reflektiert die (historischen) Kämpfe, die nötig waren, um Frauen zu Staatsbürgerinnen zu machen. Sie reflektiert aber auch die Brüche in den 100 Jahren, die immer wieder zu Rückschritten in der politischen Beteiligung von Frauen bzw. zu Rückschritten der Demokratie führten. Aktuelle Gefährdungen liberaler Demokratien in Europa durch die radikale Rechte machen es nötig, Konzepte wie Demokratie, Partizipation und Repräsentation aus einer Geschlechterperspektive und einer intersektionalen Sicht kritisch zu beleuchten. Dem möchte die Ringvorlesung Raum geben.

Die Vorträge sind öffentlich und können auch als Lehrveranstaltung im Masterstudium und im Erweiterungscurriculum Anwendungen Gender Studies besucht werden. Dafür sind Zusatzeinheiten und die Anmeldung über Opens external link in new windowu:find (Online-Vorlesungsverzeichnis der Universität Wien) erforderlich.

Initiates file downloadProgrammflyer 

Vorträge im Wintersemester

11.10.2018, 18.30 Uhr

Einführung

Maria Mesner, Birgit Sauer


25.10.2018, 18.30 Uhr

From Number Fetishism to Symbols: the Political Representation of Gender

Petra Maier

Der Vortrag findet auf Englisch statt.

Feminist scholars have been much concerned with the political representation of women. This lecture will provide a broad overview of how their focus evolved over time, from descriptive, through substantive, to symbolic representation. It will allow us to see how the attention thereby also shifted from women to gender, from traditional forms of representation to claims to represent and the construction of those represented, and from actors representing and getting represented to the broader environment in which representation takes place.

Feministische Wissenschaftler_innen haben sich vielfach mit der politischen Repräsentation von Frauen beschäftigt. Dieser Vortrag wird einen breiten Überblick darüber bieten, wie sich der Fokus über den Zeitverlauf von beschreibender, aber dennoch substanzieller, zu symbolischer Repräsentation entwickelt hat. Dadurch sehen wir die Verlagerung der Aufmerksamkeit von Frauen auf Gender, von traditionellen Formen der Repräsentation auf Ansprüche zu repräsentieren und die Konstruktion der Repräsentierten sowie von Akteur_innen, die repräsentieren und repräsentiert werden, hin zum weiteren Umfeld, in dem Repräsentation stattfindet.

Petra Maier ist Politikwissenschaftlerin an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Antwerpen. Sie forscht über die Repräsentation von “Gender+” in politischen Prozessen und Politikfeldern (deskriptive/symbolische Repräsentation), Wahlsysteme, Parteien, (Bundes)Staatsarchitektur sowie zum Gender-Bias in öffentlichen Politikfeldern und Gender Mainstreaming.


Der angekündigte Vortrag muss leider entfallen!

22.11.2018, 18.30 Uhr

Die Einführung des Frauenwahlrechts in internationaler Perspektive

Brigitta Bader-Zaar

Als zentrales Symbol der Gleichheit dominierte das Wahlrecht die politischen Debatten des langen 19. Jahrhunderts. Geschlecht (wie auch race) rief(en) jedoch enormen Widerstand gegen politische Inklusion hervor. Nach einigen frühen Erfolgen in global peripheren Regionen zogen vor allem die Weltkriege politische Kontexte nach sich, die den Durchbruch des Frauenwahlrechts ermöglichten. Inwiefern kann aber tatsächlich ein Konnex zwischen Peripherien beziehungsweise Kriegen und der Verwirklichung politischer Rechte angenommen werden?

Birgitta Bader-Zaar ist Assistenzprofessorin am Institut für Geschichte der Universität Wien. Zu ihren Forschungsinteressen gehören unter anderen die Geschichte des (Frauen-)Wahlrechts sowie der Grund- und Menschenrechte im Allgemeinen – aus einer vergleichenden und transnationalen Perspektive.


06.12.2018, 18.30 Uhr

"Die Angstträume der Frauenfeinde spiegeln die Wunschträume der Utopisten" - Frauenwahlrecht und die Ambivalenzen der Geschlechterverhältnisse

Gabriella Hauch

Politische Frauengleichberechtigung – Abschaffung der Ausschlusskategorie Geschlecht im Bereich Wahlrecht und politischem Vereinsrecht (Paragraph 30) – gilt als zentrales Paradigma für die These vom gesellschaftspolitischen Bruch von der Monarchie zur Republik. Wie korrespondiert dies mit den Geschlechterverhältnissen, mit der Modellierung der „neuen Frau“ und diversen Politikfeldern, zum Beispiel Erwerbsarbeit?

Gabriella Hauch ist Universitätsprofessorin für Geschichte der Neuzeit/Frauen- und Geschlechtergeschichte, Co-Leiterin des Forschungsschwerpunktes Frauen- und Geschlechtergeschichte der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät und zweite Sprecherin des gesamtuniversitären Forschungsverbundes Gender und Agency der Universität Wien; Sie publiziert und lehrt zur Frauen- und Geschlechtergeschichte seit der Französischen Revolution.


10.01.2019, 18. 30 Uhr

"Wie haben die Frauen gewählt?" - die Krise der Demokratie, der Nationalsozialismus und die Normativität des männlichen Votums"

Johanna Gehmacher 

Im Zentrum des Vortrages stehen die parteiübergreifenden Debatten um Frauen als Wählerinnen und den Aufstieg der NSDAP Anfang der 1930er Jahre. Die Produktion und Diskussion des Wissens um die Wahlentscheidungen von Frauen wird dabei als Element eines Diskurses begriffen, der „die Frauen“ als politische Kategorie erzeugt und das männliche Wahlverhalten als vorgeblich allgemeines zur Norm erklärt.

Johanna Gehmacher ist außerordentliche Universitätsprofessorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, Leiterin des Forschungsschwerpunktes Frauen- und Geschlechtergeschichte der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät und derzeit Gerda-Henkel-Gastprofessorin an der London School of Economics. Sie forscht und lehrt zur Geschlechtergeschichte des langen 20. Jahrhunderts.    


24.01.2019, 18.30 Uhr

Gendering Democracy, Equality and Representation - Revisiting Theories and Research

Birte Siim

This lecture revisits how feminist scholars' have gendered democracy, citizenship and representation in theory and research. It first looks at how feminist scholars have reframed the classical models of democracy: the liberal, participatory, deliberative and radical models focusing at the dimensions of representation, participation and deliberation. Secondly it presents recent empirical research on democratic citizenship and political representation. One body of research has analysed the in/exclusion of women in political representation, for example though models of parity and quota. Another body of literature has analysed women's political mobilization and empowerment through social movements. Both bodies of literature have recently focused on arguments and opposition to gender equality and the inclusion of women in democracy from liberal, Conservative and Rightwing forces. Third it presents normative reflections about gendering democracy and social justice, especially the challenge of linking women's claims for representation/participation with claims for recognition and redistribution. It ends by discussing the intersectional challenge to gender democracy, equality and social justice focusing on the interface of gender with other inequality creating categories such as class, ethnicity/race and sexuality and the transnational challenge to gender not only local/regional and national but also transnational/EU sites.

Birte Siim ist emeritierte Professorin für Gender Studies in den Sozialwissenschaften am Institut für Kultur und Global Studies der Aalborg Universität, Dänemark. Ihre Fachgebiete sind Geschlechtertheorie und vergleichende Forschung zu Gleichberechtigung und Vielfalt in Europa. Sie hat ausführlich zur Intersektionalität, Staatsbürgerschaft, Demokratie, Migration / Multikulturalismus und den Wohlfahrtsstaat publiziert.

Ort

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