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19. Ringvorlesung Gender Studies : Demokratie – Repräsentation – Geschlecht (Sommersemester 2019)

Das Wahlrecht war ein wichtiger Erfolg der Frauenbewegungen des 19. Jahrhunderts und sollte liberale Demokratie, politische Partizipation und Repräsentation ganz fundamental ändern. Aktuelle Gefährdungen liberaler Demokratien in Europa durch die radikale Rechte machen es nötig, Konzepte wie Demokratie, Partizipation und Repräsentation aus einer Geschlechterperspektive und einer intersektionalen Sicht kritisch zu beleuchten.
Das Programmposter listet Termine und Titel der Vorträge und Namen der Vortragenden der Ringvorlesung Sommersemester 2019 auf.

Programmposter

Alle Vorträge der Ringvorlesung sind öffentlich. 

Die Ringvorlesung kann auch als prüfungsimmanente Lehrveranstaltung im Masterstudium  Gender Studies und im Erweiterungscurriculum Anwendungen Gender Studies absolviert werden. Dafür sind die LV-Anmeldung innerhalb des Anmeldezeitraums und die Anwesenheit bei zusätzlichen Terminen erforderlich. Die Lehrveranstaltung zur Ringvorlesung (LV-Nr. 240236) beginnt bereits am 07.03.2019.

Leitung: Maria Mesner und Birgit Sauer

Initiates file downloadFlyer | Initiates file downloadPoster 

Uhrzeit, Ort

Beginn: 18.30 Uhr
Ort: Hörsaal 31, Hauptgebäude der Universität Wien / Stiege 9
Universitätsring 1, 1010 Wien
Hörsaal und Vortragsbereich sind barrierefrei. Es gibt 3 Rollstuhlplätze.

Vorträge im Sommersemester 2019

21.03.2019 
Maria Mesner 
Arenen-Wechsel. Zwischen Parteien und "autonomer" Bewegung  

Der Beitrag untersucht die Arenen, in denen die Politik der Geschlechterverhältnisse im Österreich der Zweiten Republik verhandelt wird. Er zeigt, in welcher Weise die „autonomen“ Frauenbewegungen der 1970-er Jahre Ausdruck und Akteur_innen eines gesellschaftlichen Paradigmenwechsels waren, der unter anderem in einer Verschiebung der Räume des Politischen und der entsprechenden Sprechweisen resultierte. Letztlich geht es auch darum, die historische Kontingenz von politischen Identitäten und Identifizierungen freizulegen.

Maria Mesner ist Dozentin am Institut für Zeitgeschichte sowie Leiterin des Referats Genderforschung der Universität Wien. Ihre Forschungs- und Publikationsschwerpunkte sind im Bereich der vergleichenden Geschichte der Geschlechterverhältnisse im Feld des Politischen, der Kultur- und Gesellschaftsgeschichte der menschlichen Reproduktion sowie der Entnazifizierung in Österreich angesiedelt. Sie ist Mit-Herausgeberin der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften und leitet das Kreisky- sowie das Johanna Dohnal Archiv.

04.04.2019 
Ines Rössl 
Im Gefecht der (Schein-)Begründungen: Frauen- und integrationspolitische Verschränkungen 

Es lässt sich beobachten, wie frauenpolitische Themen zunehmend von migrations- und integrationspolitischen Diskursen überlagert werden. Gleichzeitig taucht Geschlechtergerechtigkeit immer wieder als Begründungsfigur in Zusammenhang mit integrationspolitischen Maßnahmen auf. Der Vortrag spürt anhand gesetzlicher Änderungen der Frage nach, auf welche Art und Weise die als nicht-zugehörig markierte Frau in rechtspolitischen Diskursen auftaucht bzw. unsichtbar gemacht wird.

Ines Rössl ist Universitätsassistentin ("prae-doc") am Institut für Rechtsphilosophie der Universität Wien. Davor war sie unter anderem Rechtsanwaltsanwärterin mit Spezialisierung auf Asylrecht sowie Universitätsassistentin am Institut für Legal Gender Studies der Universität Linz. Sie ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift "juridikum". 

02.05.2019 
Birgit Sauer 
Und ewig nervt die Quote!? Warum funktionieren die Frauenquoten österreichischer Parteien, warum funktionieren sie nicht?  

Nach der Einführung des Frauenwahlrechts sind Frauen- bzw. Geschlechterquoten eine innovative und effektive Maßnahme zur Sicherung einer angemessenen deskriptiven, d. h. quantitativen Repräsentation von Frauen in Parlamenten. In Österreichs Parteiendemokratie werden seit den 1980er Jahren freiwillige Parteiquoten diskutiert und zunächst von der SPÖ und den Grünen, später auch von der ÖVP eingeführt. Außer den Grünen haben die SPÖ und die ÖVP erstmals bei den Wahlen 2017 ihr Quotenziel annähernd erreicht, in den Jahren davor blieb die Frauenrepräsentation darunter. Die Vorlesungseinheit soll dies ebenso klären wie die generellere Frage weiblicher Unterrepräsentation in der Politik in Österreich.

Birgit Sauer ist Universitätsprofessorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Governance und Geschlecht am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Sie war Sprecherin des Forschungsverbundes „Gender und Agency“ an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Critical Governance-Studies, mit einem Schwerpunkt auf feministische Staats-, Demokratie- und Institutionentheorien, sowie Politik, Affekt und Emotionen. In jüngster Zeit beschäftigt sie sich mit der Bedeutung von Geschlecht in rechtspopulistischen Diskursen. Ihre aktuellen Publikationen umfassen unter anderem: Affektives Kapital. Die Ökonomisierung der Gefühle im Arbeitsleben, Frankfurt/M./New York: Campus (gem. mit Otto Penz)

16.05.2019 
Stefanie Wöhl 
Geschlechterverhältnisse und Demokratie in der Europäischen Union

In den repräsentativen Demokratien Westeuropas wird seit Längerem über die Grundfunktionen demokratischer Institutionen debattiert und konstatiert, dass die Mitgliedschaft in Parteien schwindet, die Wahlbeteiligung sinkt, Populismus zunimmt und die Entscheidungsbefugnisse von Parlamenten zum Teil in externe Expertengremien ausgelagert werden. Zuletzt gewannen in der EU rechtspopulistische Parteien an Zustimmung, die mit einem Diskurs gegen Fremde Politik machen. Wie wirkt sich dies auf den Zustand der repräsentativen Demokratie aus? Und was bedeutet dies für die Geschlechterverhältnisse innerhalb der Europäischen Union? Diesen Fragen soll im Vortrag anhand von Länderbeispielen nachgegangen werden.

Stefanie Wöhl ist promovierte Politologin und Professorin (FH) an der Fachhochschule des BFI Wien im Studiengang „Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung“ mit dem Schwerpunkt European and International Studies. Zuvor hatte sie Gastprofessuren an den Universitäten Wien und Kassel inne. Sie ist Mitherausgeberin des Sammelbandes „Feminismus und Marxismus“, das 2018 im Beltz Verlag erschien. In Kürze erscheint im Springer Verlag das von ihr mit herausgegebene Buch "The State of the European Union". Sie ist Elisabeth Selbert-Preisträgerin des Landes Hessen für ihre Forschung über die Gleichstellung von Männern und Frauen. 

13.06.2019 
Isabell Lorey 
Präsentische Demokratie. Die feministische konstituierende Macht der Multitude 

Präsentische Demokratie unterscheidet sich von liberalen Konzeptionen von Demokratie, weil sie nicht auf maskulinistische Logiken der Repräsentation setzt. Im Aufbrechen linearen Zeitlichkeiten konstituieren sich in der ausgedehnten Gegenwart die Kämpfe derjenigen, die in der liberalen Konzeption des Politischen als zu zertreut gelten, um gemeinsam politisch zu handeln. Es ist die Multitude, die in der Politischen Theorie seit vielen Jahrhunderten als unpolitische Gegenspielerin des maskulinistischen souveränen Volkes konzipiert wird. Die Multitude existiert in feminisierten Sorgebeziehungen und muss in ihrer revolutionären Kraft gebändigt werden. Doch gerade wieder setzt sich ihre grenzüberschreitende revolutionäre Kraft erneut zusammen und formt in den queer-feministischen Sorgestreiks eine Flutwelle, von der aus es sich lohnt, in der Jetztzeit Demokratie neu zu denken.

Isabell Lorey ist politische Theoretikerin am European Institute for Progressive Cultural Policies (eipcp) und eine der Herausgeber_innen von transversal texts. Seit 2018 hat die Professur für Queer Studies an der Kunsthochschule für Medien in Köln inne. Von 2015-2018 war sie Professorin für Transnationale Geschlechterpolitik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Kassel. Sie beendet derzeit ihre aktuelle Publikation zur Präsentischen Demokratie.

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