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Ein Blick auf die Geschichte des Referats Genderforschung der Universität Wien

"wolllüstiger Fleiss und fehlgeleiteter sexualtrieb" - Tagungsplakat (1997)
Detail aus Minna Antovas Seccomalerei im "Genderg'wölb" (1997/98)

Die Entstehung des Referats Genderforschung der Universität Wien (RGF) geht auf Initiativen engagierter Wissenschafterinnen Ende der 1980er Jahre zurück. Die Einrichtung ist eng mit der Arbeit für eine Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechterforschung und Lehre an den österreichischen Universitäten, mit den Anfängen der universitären Gleichstellungspolitik sowie deren gesetzliche Rahmenbedingungen (Bundesgleichbehandlungsgesetz 1993, Universitärer Frauenförderplan, Universitätsorganisationsgesetz UOG 1996) verbunden.

Verhandelt, nicht geschenkt: die erste Interuniversitäre Koordinationsstelle für Frauenforschung und Frauenstudien Wien

Eine organisatorische Vorläuferinstitution des Referats Genderforschung ist die 1993 gegründete erste "Interuniversitäre Koordinationsstelle für Frauenforschung und Frauenstudien Wien". Die als interdisziplinär konzipierte Einrichtung sollte vor allem die fehlende universitäre Infrastruktur für Frauenforschung aufbauen und Forschungsleistungen sichtbar machen. Waren Frauenforschung und feministische Forschung in den 1980er Jahren zu einem wesentlichen Bestandteil von Forschung und Lehre geworden, war die "Institutionalisierung" noch eine offene Diskussion und erforderte viele Aufbauarbeit und zahlreiche Verhandlungsrunden mit beteiligten Rektoraten und Ministerien. Neben der Universität Wien waren die Akademie der Bildenden Künste Wien, die Hochschule für Angewandte Kunst und die Wirtschaftsuniversität Wien an dieser ersten „Interuniversitären Kooordinationsstelle“ der Wiener Universitäten beteiligt.

Engagement und Kompetenz 

Ihre Prägung erhielt die „Ko-Stelle“ seit Beginn an durch die Interessen und das Engagement der in ihr tätigen Mitarbeiter_innen und Leitungspersonen. Die Tätigkeiten der Einrichtung haben sich kontinuierlich verändert. Die Ko-Stelle engagierte sich vor allem als Dienstleistungseinrichtung bei der Beratung und Unterstützung von Wissenschafterinnen im Sinne der Aufbau- und Fördertätigkeit auf dem wachsenden Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung tätig. Die heutige Einrichtung ist vor allem zentrale Organisationseinheit für das Masterstudium und die Erweiterungscurricula Opens internal link in current windowGender Studies und versteht sich als inhaltliche Impulsgeberin für  intersektionale Gender Studies durch ihre Opens internal link in current windowVeranstaltungen und Opens internal link in current windowPublikationen sowie unterschiedliche Vernetzungsaktivitäten.

Institutionelle Verortung im Zeitverlauf

1982

Die österreichische Wissenschaftministerin Herta Firnberg stellt erstmals ein „Sonderkontingent für die universitäre Frauenforschung“ für entsprechende Lehraufträge zur Verfügung, die  außerhalb der sonst üblichen Quoten vergeben werden.

1988/89

Im Zuge der Aufhebung der „Privilegierung des Sonderkontingentes“ durch das Ministerium, die mit faktischen Kürzungen der Lehraufträge für Frauen- und Geschlechterforschung einhergeht, formieren sich an den österreichischen Universitäten zwei Protestgruppen: Die „Österreichweite Plattform für Frauenforschung“ und die „Initiative für die Stärkung der Frauenforschung und ihrer Verankerung in der Lehre“ rund um Edith Saurer und das Institut für Geschichte der Universität Wien. Erste Forderungen nach einer Einrichtung einer Koordinationsstelle für Frauenforschung werden laut.

1989  

Die erste österreichische Wissenschafterinnentagung findet in Baden bei Wien statt und rückt nicht nur die feministische Verortung der Frauenstudien ins Zentrum, sondern vertritt auch wissenschaftspolitische Ziele.

1990

Im Zuge der Novellierung des Universitätsorganisationsgesetzes (UOG) finden erste konzeptionelle Gespräche für eine Koordinationsstelle zwischen der „Initiative für die Stärkung der Frauenforschung und ihrer Verankerung in der Lehre“ und ihren Mistreiterinnen sowie engagierten Frauen im Wissenschaftsministerium statt. Strukturelle Grundlage dafür stellt die durch die UOG-Novelle neu geschaffene Möglichkeit für Universitäten dar, „Interuniversitäre besondere Universitätseinrichtung“ zu schaffen (UOG § 83, Abs. 5 ). 

1991/1992

Ein umfassendes Konzept für die Errichtung der Koordinationsstellen, getragen von Wissenschafterinnen aus Graz, Linz, Salzburg und Wien, wird 1991 an das Wissenschaftsministerium übermittelt.

Der Antrag auf Einrichtung einer Wiener Koordinationsstelle zur gezielten Förderung und Koordination von Frauenforschung wird 1992 im Akademischen Senat der Universität Wien eingebracht und einstimmig angenommen; das Ministerium wird um die Errichtung ersucht. Diesbezügliche Senatsbeschlüsse der TU Wien, der Akademie der Bildenden Künste und der Hochschule für Angewandte Künste sowie der Wirtschaftsuniversität Wien folgen.

1993/94

Die Interuniversitäre Koordinationsstelle für Frauenforschung und Frauenstudien Wien wird nach § 83 Abs3. UOG gegründet. Sie wird als Dienstleistungseinrichtung unter einer bevollmächtigten Kommission eingerichtet. Mitglieder dieser Kommission sind Daniela Hammer-Tugendhat, Friederike Hassauer, Renate Jani, Herta Nagl, Bernhard Rathmayer, Edith Saurer (Leitung), Ina Wagner und Ruth Wodak.

Die Einrichtung hat die Aufgaben der Koordination und Beratung von Wissenschafter_innen und Student_innen, Aufbauarbeit für die nachhaltige Verankerung der Frauenforschung und feministischer Lehre, die Herausgabe eines kommentierten Vorlesungsverzeichnisses, die Unterstützung von Frauenforschungsaktivitäten und die Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Verankerung der Frauen- und Geschlechterforschung in den Studienplänen wird eine zentrales Scharnier für diese Aufgabe.

Die promovierte Philosophin Ingvild Birkhahn wird 1994 zur Leiterin der Koordinationsstelle mit Sitz und Stimme in der Bevollmächtigten Kommission ernannt. Weitere Mitarbeiterinnen „der ersten Stunden“ sind Anette Baldauf, Susanne Rieser, Renate Retschnig, Sabine Strasser und Andrea Eckhart bzw. Margit Baier.  

In Graz und Linz werden ebens Zentren gegründet, ab 1994 geben die drei Einrichtungen eine gemeinsame Publikation, die "Informationen" heraus.

1995

Der erste Frauenförderungsplan  für das Wissenschaftsressort tritt in Kraft.

1998

Die Interuniversitäre Koordinationsstelle für Frauenforschung bezieht neue Räumlichkeiten im adaptierten Campus der Universität Wien (Altes AKH). Die bildende Künstlerin Minna Antova gibt dem historisch bedeutsamen Ort eine charakteristische "Bildergestalt". Opens internal link in current windowMinna Antovas Decken- und Wandmalerei im Genderg'wölb

Die fünfte österreichische Wissenschafterinnentagung findet an der Universität Wien statt.  Opens external link in new windowInnen- Außen - Zwischendrin: Dokumentation der 5. österreichischen Wissenschafterinnentagung.

1999 / 2000

Mit dem wirksam Werden des "Universitätsautonomie-Gesetz" (UOG 1993)  im Jahr 2000 wurde die Universitäten übergreifende Koordinationsstelle in das „Projektzentrum für Frauen- und Geschlechterforschung“ der Universität Wien eingegliedert und der Zuständigkeit des Vizerektorats für Personalangelegenheiten und Frauenförderung unterstellt.

Anstelle der Bevollmächtigten Kommission wird ein beratender Beirat für Frauenförderung und Genderforschung gegründet, der in enger Zusammenarbeit mit dem Projektzentrum Genderforschung als beratendes Gremium für Vizerektorin für Personal- und Frauenangelegenheiten tätig ist. 

Eine weitere Kernaufgabe ist die Beratung und Koordination der Arbeitsgruppe zur stärkeren Verankerung der Frauen-und Geschlechterforschung in den Studienplänen; die rechtliche Basis dafür wurde noch in der 1999 in Kraft getretenen Satzung der Universität Wien festgeschrieben.

BroschüreInitiates file downloadKOSTprobe (2000)

2001

Im Jahr 2001 wird die Einrichtung neben dem neu gegründete Projektzentrum Frauenförderung (heute: Opens external link in new windowAbteilung für Gleichstellung und Diversität) ein Teil eines „Zentrums für Frauenförderung und Genderforschung“, das vom Vizerektorat für Personalangelegenheiten und Frauenförderung geführt wird.

Im Zuge der Vorbereitung für ein Masterstudium Gender Studies wirde das Projektzentrum Genderforschung nochmals neu verankert und 2004 dem Vizerektorat für Lehre und Internationales innerhalb der DLE Studien-und Lehrwesen zugeordnet, wo es seit 2005 unter dem Namen „Referat Genderforschung“ fungiert. Für das interdisziplinäre Studium Gender Studies muss erst eine institutionelle Verortung an einer Fakultät gefunden werden (-> es wird später formal an die Fakultät für Sozialwissenschaften angegliedert werden.)

2002

Das Universitätsgesetz (UnivG 2002) wird erlassen und darin die Weiterführung der Koordinationsstellen für Frauenförderung und Geschlechterstudien wird dort in §19: „Einrichtung einer Organisationseinheit zur Koordination der Aufgaben der Gleichstellung, der Frauenförderung sowie der Geschlechterforschung“ nachhaltig verankert. Die Mitglieder der Koordinationsstellen an den österreichischen Universitäten schließen sich österreichweit in dem Netzwerk "Opens external link in new windowGenderplattform" zusammen.

2002/2003

Ein überfakultärer Studienschwerpunkt Gender Studies im Ausmaß von 48 Semesterwochenstunden wird unter maßgeblicher Beteiligung des Projektzentrums Genderforschung in Zusammenarbeit mit dem Genderausschuss der historisch- kulturwissenschaftlichen Fakultäten und engagierten Einzelpersonen an der Universität Wien eingeführt.

BroschüreInitiates file downloadGENDER? GENDER! Geschlechterforschung an der Universität Wien (2003) 

2004/2005

Das Projektzentrum Genderforschung wird in die DLE Studien- und Lehrwesen eingegliedert und dem Vizerektorat für Lehre und Internationales (VR Arthur Mettinger) zugeordnet. Mit der Neuzuteilung kommen Aufbau und später Koordination und Administration des Studiums Gender Studies zu den Agenden des Referats. Ab 2005 heißt die Einrichtung "Referat Genderforschung". Mit der Leitung wird die Romanistin Marlen Bidwell-Steiner betraut, die u.a. die interdisziplinäre Ringvorlesung zu einer Veranstaltungs- und Publikationsreihe mit Vorbildfunktion und internationaler Resonanz ausbaut und das Masterstudium Gender Studies als eigenständigen, überfakultären Studiengang auf den Weg bringt.

2006/07

Das interdisziplinäre Magister- bzw. Masterstudium Gender Studies wird mit Wintersemester 2006/07 eingeführt. Zur Curricular-Arbeitsgruppe gehören: Nikolaus Benke, Marlen Bidwell-Steiner Johanna Dorer, Elisa Heinrich, Elisabeth Holzleithner, Ursula Knoll , Herta Nagl, Margarete Rubik, Birgit Sauer, Edith Saurer, Katharina Wiedlack und Marlies Wilhelm unter Mitarbeit von Melanie Feratova-Loidolt, Alexander Fleischmann, Eva Flicker, Eva Kreisky, Margareth Lanzinger, Marion Löffler und Silvia Stoller.

2010

Opens external link in new windowSigrid Schmitz wird auf die erstmals eingerichtete, aber auf fünf Jahre befristete Professur Gender Studies (Fakultät für Sozialwissenschaften) berufen und übernimmt auch die Leitung des Referats Genderforschung. Ihre Forschungsinteressen liegen u.a. im Feld der transdisziplinären Gender Studies und der Science and Technology Studies.

2015

Nach dem Auslaufen der Professur wird die Studienprogrammleiterin für Gender Studies Maria Mesner (Institut für Zeitgeschichte) auch mit der Leitung des Referats Genderforschung betraut.

Aktuelle Entwicklung

Seit 1. April 2017 hat Opens external link in new windowSabine Grenz die befristete interdisziplinäre Professur Gender Studies an der Universität Wien inne. Sie ist an drei Fakultäten verortet und lehrt im Masterstudium Gender Studies. Organisatorisch ist sie an die Fakultät für Bildungswissenschaften angegliedert. Eine verstetigte Gender Professur ist im Sinne der Qualität des Masterstudiengangs und einer nachhaltige forschungsbasierten Ausrichtung weiterhin nötig - und leider noch nicht gesichert!

Quellen

  • Baldauf, Anette; Birkhan, Ingvild; Griesebner Andrea (1990): Die Initiative für die Stärkung der Frauenforschung und ihrer Verankerung in der Lehre, In: L`Homme Z.F.G: 1. Jg/ 1 .H, 1990, S. 89-97.
  • Ingrisch, Doris (2015): Gender-Dimensionen. In: Kniefacz, Katharina; Nemeth, Elisabeth; Posch Herbert; Stadler, Friedrich: Universität – Forschung  - Lehre. Themen im langen 20. Jhdt., Göttingen, S. 337-361.
  • Kock, Sabine (2005): Gender Studies – Work in Progress. In: Sabine Kock, Gabriele Moser (Hg): Gender Studies. Perspektiven von Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Wien, Wien, S. 285-311.
  • Rieser, Susanne [Hg] : Innen - Außen - Zwischendrin : Perspektiven feministischer Forschung und Lehre 2000 ; Dokumentation der 5. Österreichischen Wissenschafterinnentagung ; [Wien, 19. - 21. November 1998]
  • Saurer, Edith (2003): Zur Geschichte einer universitären Einrichtung: Die Koordination für Frauenforschung und Frauenstudien. In: Schaller-Steidl, Roberta [Hrsg.],Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung: Konzepte, Strukturen, Praktiken, Wien, S. 71-84.
  • Schindler, Larissa; Dzierbicka, Agnieszka (1995): Überlegungen zur Verankerung der Fächerkombination Frauenforschung. In: Birkhan, Ingvild (Hrsg.):Zeitschrift für Hochschuldidaktik, 19. Jg. 2/95, S. 90-95.
  • Moser, Gabriele (2003): Institutionalisierung der Frauenförderung: Projektzentrum für Frauenförderung an der Universität Wien. In: Schaller-Steidl, Roberta [Hrsg.]: Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung : Konzepte, Strukturen, Praktiken, Wien, S. 287-299.
  • Ulrich, Silvia (2003): Zur Geschichte und Ausgestaltung der Verordnung Frauenförderplan. In: Schaller-Steidl, Roberta [Hrsg.]: Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung: Konzepte, Strukturen, Praktiken, Wien, S167-189.
  • Zeitschrift „Information“ der Genderplattform (Opens external link in new windowwww.genderplattform.at):  Heft 1/2001, Heft 1/94, Heft 2/95 (Archiv RGF)
  • Mitteilungsblatt der Universität Wien Nr 297, 3,3, 1993, S 480
  • Opens external link in new windowIWK-Mitteilungen 4/1996, Zugriff: 29.06.2015
  • Broschüre: Initiates file downloadKOSTprobe 1993-1999 (Archiv RGF)
  • Broschüre: Initiates file downloadGENDER? GENDER! Geschlechterforschung an der Universität Wien (2003) (Archiv RGF)
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