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Marie Jahoda (von Anna Steinberger)

Bei Marie Jahodas Biographie stellt sich die Schwierigkeit, nicht dahin zu verfallen unreflektiert ihre sämtlichen, sehr zahlreichen Tätigkeiten und Publikationen in den Sozialwissenschaften zu rezitieren. Jahoda (*1907 Wien, +2001 Keymer, Sussex) hatte ein großes Interesse an Psychologie und Sozialforschung, bekannt ist sie vor allem für ihre Mitarbeit an der Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal", die den Alltag ihrer Forschungssubjekte bis in Detail festhält und eine große Bandbreite an quantitativen und qualitativen Methoden anwendet.1 Aus einem liberalen Elternhaus stammend, wollte sie schon als Kind alles selbst ausprobieren. So wurde später auch die Erziehung ihrer Tochter Lotte zum Forschungsprojekt. Jede Geste, jedes Lachen wurde dokumentiert. Im Laufe ihrer Karriere hat sie mit vielen bekannten Forschern (selten Forscherinnen) international zusammen gearbeitet, doch gerade deshalb ist es anspruchsvoll und wichtig ihre Biographie ohne diese populären Namen zu denken. Marie Jahoda konnte sich in ihrem Leben auch nur schwer von diesen distanzieren. Häufig wird in diesem Zusammenhang erwähnt, dass sie nach der Heirat weiter ihren Mädchennamen behielt und so Unabhängigkeit erwirken wollte. 1934 wurde ihre Ehe mit Paul Lazarsfeld nach wenigen Jahren geschieden, trotzdem arbeitete sie immer wieder in seinem Einflussgebiet. In vielen Biographien wird außerdem hervorgehoben, dass sich Marie Jahoda nach dieser Scheidung viele Monate einer Psychoanalyse unterzog, womit ein persönlicher Leidensweg konstruiert wird.2

Jahoda war nicht nur eine Sozialwissenschaftlerin, sondern auch als Sozialistin aktiv. Dies wird jedoch seltener erwähnt, vielleicht weil sonst ihre wissenschaftliche Arbeit abgewertet und in einer anderen Art und Weise gelesen würde. Schon in ihrer Jugend wurde sie politisch in der „Vereinigung sozialistischer Mittelschüler" aktiv und distanzierte sich zeitgleich von ihrem jüdischen Religionsbekenntnis. Ihr sozialistisches Engagement hatte später Einfluss auf ihre Arbeit als Volksschullehrerin, die sie ab 1934 nicht mehr ausführen konnte. 1936 wurde sie verhaftet, da sie sich einer illegalen und revolutionären sozialdemokratischen Gruppe angeschlossen hatte und dieser in ihrer sozialwissenschaftlichen Forschungsstelle als Postzentrale fungierte. Nur durch internationale Proteste und der Zusage sofort ins Exil zu gehen, wurde sie schließlich nach neun Monaten Haft entlassen. Politisch und wissenschaftlich aktiv blieb sie weiterhin, von nun an in Großbritannien und den USA.3

Quellen:

Endoten:

(1) Vgl. o.A. o. J.

(2) Vgl. Fromm 2010

(3) Vgl. o A. o. J.

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