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Maria Sibylla Merian – Naturforscherin und Künstlerin (von Katharina Vogler)

Maria Sibylla Merian wurde am 2.4.1647 in Frankfurt am Main geboren. Schon sehr früh war sie künstlerisch tätig und schuf detaillierte Kupferstiche und Bilder, meist wird dabei auf die besondere Förderung durch ihren Schwiegervater hingewiesen. (Kommentar dazu, s.u.) Ihr größtes Interesse galt von klein auf Insekten und Raupen und deren Metamorphose im Besonderen. Ihre Beobachtungen in diesem Feld hielt in zahlreichen Skizzenbüchern fest, womit sie schon früh Forschung und Kunst verband. Da es Männern vorbehalten war, in Öl auf großen Leinwänden zu malen, und es Frauen nicht erlaubt war, als Künstlerinnen tätig zu sein, gab Merian ihre Kunstwerke zunächst als Buch mit Stickmustern heraus (Das neue Blumenbuch, 1675/1677/1680). Mit ihrem zweiten Werk, Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung (1679) legte sie den Grundstein für die Insektenkunde. Damit war sie ihrer Zeit voraus, da die öffentliche Meinung herrschte, dass Insekten und anderes "niederes Getier" aus Schlamm geboren wurden. Anerkennung wurde ihr jedoch über weite Strecken verweigert -  ihre Arbeit galt als unwissenschaftlich, denn Merian schrieb auf Deutsch und nicht, wie damals üblich, auf Latein. Das Erlernen des Lateinischen war jedoch für Frauen aufgrund ihres Ausschlusses von höherer Bildung de facto praktisch unmöglich. Merians vermeintliche Unwissenschaftlichkeit stand also in direktem Zusammenhang mit sexistischer Diskriminierung.

Nach dem Scheitern und der Scheidung (!) ihrer Ehe lebte Merian einige Zeit in der Sekte der Labadist*innen auf Schloss Waltha in den Niederlanden. Diese Sekte war aus dem Pietismus hervorgegangen und setzte sich im Vergleich zu anderen Kirchen für die Emanzipation der Frau ein, was auch Merian inspiriert haben könnte. Auch Naturverehrung, Forschung und Frömmigkeit wurden nicht als Gegensätze gesehen, was für die sehr gläubige Merian, deren Beschäftigung mit dem "unreinen" Getier durchaus misstrauisch beäugt wurde, von Vorteil gewesen sein muss. Nachdem sie die auf Schloss Waltha befindliche Schmetterlingssammlung aus Surinam eingehend studiert und Latein gelernt hatte, reiste sie 1699, finanziert durch den Verkauf ihrer Bilder und nur in Begleitung ihrer jüngsten Tochter, deren Namen ich nicht herausfinden konnte, nach Surinam, wo die beiden tropische Insekten beforschten. Die Ergebnisse ihrer Forschungen sind bis heute gültig. (u.A. Einteilung der Schmetterlinge in Tag- und Nachtfalter) Nach ihrer Rückkehr erschien ihr Hauptwerk,Metamorphosis insectorum Surinamensium,und ihr wurde endlich Beachtung zuteil. Dennoch konnte sie von den Verkäufen des Buches nicht leben und starb schließlich 1717 verarmt in Amsterdam.

Obwohl Merian zu Lebzeiten einen großen Bekanntheitsgrad hatte und ihre Forschungsergebnisse zum Teil bis heute Gültigkeit besitzen und ins Allgemeinwissen übergegangen sind, liegt ihr Bekanntheitsgrad heute weit hinter jenem von Naturforschern wie Carl von Linné, die sich teilweise auf ihre Forschungen beziehen, ohne ihren Namen zu erwähnen, zurück.

Für gewöhnlich wird in Biografien über Maria Sibylla Merian auch sehr stark auf den Einfluss der Männer in ihrem Leben auf ihren ungewöhnlichen Lebensweg verwiesen: So sollen besonders ihr Stiefvater und ihr Ehemann ihr künstlerisches Talent zu Tage gebracht und gefördert haben, während weiblicher Einfluss kaum Erwähnung findet und ihre Mutter gar als „kleinbürgerlich-streng und amusisch" (Quelle: Wikipedia) beschrieben wird. (Was die vermeintliche Amusikalität der Mutter mit ihrem zeichnerischen Talent zu tun haben soll, sei dahingestellt) An einigen Stellen wird auch ihre Entscheidung, nach Surinam zu gehen, als als maßgeblich vom Gouverneur von Surinam beeinflusst dargestellt, obwohl Merian tatsächlich mehr Kontakt zu dessen - meist ungenannt bleibenden - Schwestern auf Schloss Waltha gehabt haben soll. So wirkt Merian wie eine Ausnahme, die einzige Frau, die aus dem typischen weiblichen Leben zu ihrer Zeit ausbrechen konnte, und auch das nur aufgrund von Hilfestellungen durch männliche Zeitgenossen - welche Frauen dabei eine Rolle spielten und welchen Einfluss beispielsweise ihre Tochter, die mit ihr gemeinsam Forschung in Surinam betrieb, auf ihr Leben hatte, bleibt unklar.

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