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Maria Montessori (von Elisabeth Zmuck)

Maria Montessori gilt als Wegbereiterin und Klassikerin der Pädagogik. Obwohl noch immer vor allem Frauen* als Pädagog_innen und Erzieher_innen arbeiten, erfahren nur wenige wissenschaftliche Arbeiten von Pädagoginnen eine solch breite Rezeption wie jene von Maria Montessori. Der Fokus liegt dabei auf dem Wohl, der freien Entwicklung und der Förderung der Eigeninitiative des Kindes, was für die damalige Zeit einer revolutionären Erkenntnis entsprach und zu großem Erfolg führte. Trotz mancher Kritik ging sie ihren Weg unbeirrt und, wie es oft heißt, mit großer Willenskraft weiter. Dabei setzte sie sich schon in jungen Jahren für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit ein. Durch ihre Berühmtheit und Begegnungen mit politisch einflussreichen Personen versuchte sie unentwegt ihre Methoden zu verbreiten. Sogar eine Vereinbarung mit Mussolini sollte dabei helfen. Doch mit zunehmender Totalitarisierung in Italien beendete sie die Zusammenarbeit. Dennoch war und ist ihre Montessori-Bewegung international sehr erfolgreich.

Das gesicherte Wissen über das Leben von Maria Montessori ist weit geringer als manche Biographien erahnen lassen. Es gibt zwar viele Lebensbeschreibungen, die aber meist entweder von harschen Kritiker_innen oder glühenden Verehrer_innen stammen. Wodurch deutlich wird, dass jede Biographie perspektivisch ist und eine Konstruktion darstellt. So auch die vorliegende, die ein Versuch ist, die geschlechtliche Perspektive herauszustreichen und den vorhandenen Diskurs über ihr Leben kritisch zu betrachten.

Maria Montessori wurde am 31. August 1870 in Chiaravalle (Italien) als einziges Kind ihrer bürgerlichen Eltern geboren. Nach der Grundschule besuchte sie naturwissenschaftlich-technische Oberschulen, was für Mädchen damals äußerst ungewöhnlich war. Nach anfänglichen Widerständen und Rückstößen, welche die Zulassung verzögerten, begann sie als eine der ersten Frauen Italiens ein Medizinstudium. Trotz erschwerender Reglementierungen durch Kommilitonen und Professoren ihr gegenüber (aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit) und Bedenken seitens ihres Vaters schloss sie ihr Studium erfolgreich ab - auch durch die Unterstützung ihrer Mutter, die ihr zur Seite stand um in dieser Männerbastion Fuß fassen zu können. Danach eröffnete sie eine Privatpraxis und arbeitete als Assistenzärztin in einer psychiatrischen Klinik. Durch diese Tätigkeit kam es zu einer Begegnung mit geistig beeinträchtigten Kindern, die in einer damals so genannten "Irrenanstalt" unter erbärmlichen Zuständen ohne Spielzeug heranwuchsen. In Folge dessen widmete sie sich verstärkt der Pädagogik, was sie auch in einem Studium vertiefte. Neben einer Lehrtätigkeit entwickelte sie die zunächst auf geistig beeinträchtigte Kinder angewandten Methoden weiter, um diese auf geistig gesunde Kinder (im ersten Kinderhaus in einem Armenviertel Roms) und später auf verschiedene Altersstufen auszuweiten. Maria Montessori schrieb Bücher, hielt in verschiedenen Ländern Vorträge und Ausbildungskurse. Trotz ihres Ruhms verdeutlichte sie stets ihr Ziel, nämlich das Wohl der Kinder durch eine Hinführung zur Selbstständigkeit zu fördern - bis zu ihrem Tod am 6. Mai 1952 in Nordwijk aan Zee (Niederlande).

Neben ihrem beruflichen Werdegang und ihrem pädagogischen Schaffen wird in den meisten Biographien vor allem auf eine oft als traumatisch beschriebene Phase ihres Lebens eingegangen - die Geburt ihres Sohnes Mario. Der Zeitpunkt seiner Geburt ist unklar, da sich die Angaben darüber in unterschiedlichen Biographien widersprechen. Mit dessen Vater Giuseppe Montesano war Maria Montessori liiert und arbeitete auch eng mit ihm zusammen. Aus diversen angeführten Gründen, wobei vor allem ein uneheliches Kind als Beendigung der wissenschaftlichen Karriere angegeben wird, hielt sie die Schwangerschaft vor der Öffentlichkeit geheim und gab das Kind zu einer Pflegefamilie aufs Land. Die Weggabe ihres Sohnes und die Trennung ihres Geliebten werden des Öfteren als tiefgreifende Wunden ihres Lebens beschrieben, die sie durch intensive Arbeit zu kompensieren versuchte (was sich aber im Bereich der Spekulation befindet). Nach dem Tod ihrer Mutter, die eine tragende Rolle bei der Weggabe spielte, nahm Maria Montessori ihren mittlerweile jugendlichen Sohn zu sich. Später wurde er ein enger Vertrauter und Organisator der Montessori-Bewegung. Da dieser Lebensabschnitt in vielen Biographien hervorgehoben wird, wollte ich diesen nicht unerwähnt lassen. Obwohl damit einerseits ihre pädagogischen Errungenschaften als ernsthafte Pädagogik möglicherweise in Frage gestellt, und andererseits der Blick auf ihr Werk durch ihre persönliche Leidensgeschichte verändert werden könnte. Zugleich wird aber gezeigt, dass hinter der starken, öffentlich bekannten Frau eine Person steckt, die mit dem auch heute noch relevanten Konflikt zwischen Karriere und Familie zu kämpfen hatte. Jedoch wird durch die Betonung dieses Lebensabschnittes in Biographien ein Gegenbild gezeichnet, das im Kontrast zur starken, unabhängigen, erfolgreichen Frau in der Öffentlichkeit eine schwache, traumatisierte, einsame Frau im Privaten konstruiert. Nichtsdestotrotz sollte dadurch ihr Werk nicht in Misskredit geraten, vor allem weil dies nur eine mögliche Interpretation der bekannten Daten zu ihrem Leben ist.

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