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Maria Gaetana Agnesi (von Anastasia Haar)

Maria Agnesi wird am 16. Mai 1718 in Mailand als ältestes von 21 Kindern einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Mailand geboren. Schnell wird die große Begabung Marias bemerkt, die von ihrem Vater, Pietro Agnesi, mit großen Ehrgeiz gefördert wird. So wird sie unter anderem. in Mathematik, Naturphilosophie und Logik unterrichtet und erlernt zahlreiche Sprachen. Bei den akademischen Versammlungen, die im Salon der Agnesis regelmäßig stattfinden, präsentiert Pietro Agnesi seine Tochter als Wunderkind, das mit den anwesenden Gelehrten über Erkenntnistheorie und Naturphilosophie diskutiert. 1727, mit neun Jahren, verblüfft sie die Zuhörenden, als sie aus dem Gedächtnis eine Rede über das Recht der Frauen auf Bildung hält, wobei fraglich ist, welchen Anteil sie am Verfassen ihres Vortrags hatte.

Mit 21 Jahren äußert die strenggläubige Maria den Wunsch ein Leben im Kloster zu führen. Zwar willigt ihr Vater nicht ein, gesteht ihr jedoch zu, ein bescheidenes Leben fern von Bällen und Tänzen führen zu dürfen. In den nächsten zehn Jahren widmet sie sich also gänzlich der Mathematik und Philosophie und veröffentlicht 1748 ihr Buch Grundlagen der Analysis, das als ihr Hauptwerk gilt und ihr seitens der Fachgelehrten großen Lob und Anerkennung einbringt. Darin unternimmt sie den Versuch, das Wissen und die Überlegungen der Mathematiker ihrer Zeit zu systematisieren und in eine nachvollziehbare und verständliche Ordnung zu bringen. Die Abhandlungen über die Algebra, die Integral- und Differentialrechnung und die analytische Geometrie, ergänzt sie durch eigene Beispiele und Aufgaben. In ihrer Einführung veröffentlicht sie zudem eine algebraische Kurve, die sie zwar nicht entdeckt, aber als erste ausführlich besprochen hat und die deshalb ihren Namen trägt - Versiera der Agnesi.

Eine im 18. Jahrhundert gängige Überzeugung ist, dass Frauen nicht genug Begabung für die Mathematik besitzen und im allgemeinen nicht im Stande sind, die gleichen intellektuellen Leistungen wie Männer zu vollbringen. Wenn Agnesi bspw. von ihrem kleinen Talent spricht und erklärt, dass ihr Analysis-Lehrbuch anfangs nicht für die Öffentlichkeit gedacht war, sondern ihren Bruder beim Lernen unterstützen sollte, dann wird das in der Rezeption Agnesis als Anpassung an die Geschlechterbilder ihrer Zeit gewertet. Als Mathematikerin eine Ausnahmeerscheinung, habe sie nicht noch mehr provozieren wollen und sei deshalb ganz besonders um Bescheidenheit und Zurückhaltung bemüht gewesen.

Trotz herrschender Vorurteile bietet ihr Papst Benedikt XIV. 1750 an, als Professorin für Mathematik an der Universität Bologna zu unterrichten. Obwohl Laura Bassi, die erste Professorin Europas, sie zu diesem Schritt ermutigt, entscheidet sich Agnesi gegen eine Lehrtätigkeit.

Als Agnesi 34 Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Sie gibt die Mathematik auf, studiert Theologie und widmet sich von da an gänzlich ihrem Glauben und ihrer karitativen Arbeit für Arme und Kranke. Der Grund für ihre Abwendung von der Wissenschaft ist bis heute umstritten. Es liegt nahe zu glauben, dass sie sich mit seinem Tod dem Vater nicht mehr verpflichtet fühlte und die Freiheit nutzte, ihren persönlichen Lebensvorstellungen zu folgen. Von anderer Seite wird ihre Entscheidung als Wunsch interpretiert, indem sie sich einer sozial anerkannten weiblichen Rolle fügte, als weibliches Genie keine Außenseiterin mehr zu sein und damit den Folgen zu entgehen, die solch eine Zuschreibung mit sich bringt. Obwohl ihre Motive schlussendlich nicht mit völliger Sicherheit bestimmt werden können, leitet Agnesi ab 1771 die Frauenabteilung eines Altenheims und führt diese Tätigkeit bis zu ihrem Tod in Mailand 1799 aus.

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