Logo der Universität Wien

Hildegard von Bingen, *1098 – †17. September 1179 (von Doris Bauer)

Vorbemerkung der Autorin

Vorab möchte (ich) als Autorin einige Worte zu meiner Perspektive und zur Auswahl und Verfassung des vorliegenden Ausschnitts aus dem Leben jener Frau sagen: Kaum eine andere historische Persönlichkeit wurde derart kommerzialisiert wie Hildegard von Bingen. Sie ist oft ausschließlich durch ihre Präsenz auf Kekspackungen, Tee- und Kräutermischungen oder für Fastenkuren und Heilmittel, bekannt. Diese Biographie soll beginnend mit ihrer gesellschaftlichen Einbettung wesentliche Stationen und Errungenschaften ihres Lebens betrachten und sichtbar machen, was sie für die damalige und auch heutige Zeit als eine außergewöhnliche Frau im Gegensatz zu Männern ausmacht. Deswegen wird auch des Öfteren auf die Ausnahme als Frau zu ihrer Zeit hingewiesen, um ihr Wirken noch einmal deutlicher zu machen und von der Selbstverständlichkeit von männlichen Darstellungen abzuheben. Dazu werden unterschiedliche Biographien als Quellen herangezogen, die sich allesamt zum Teil auf Hildegard von Bingens Vita, ihre Lebensbeschreibung aus dem 12. Jahrhundert stammend (Strickerschmidt 1997, o.S.), beziehen.

Biographie

Hildegard von Bingen wurde 1098 in Rheinland-Pfalz geboren und war das zehnte Kind der Familie, die dem Hochadel von Rheinessen entstammte. Die Eltern wählten für Hildegard mit acht Jahren ein geistiges Leben in einem Benediktinerkloster (Büchner 2009, 20-23). 

Im Kloster erhielt sie – für Frauen zur damaligen Zeit eine Ausnahme - eine Ausbildung im Lesen und Schreiben sowie Religionsunterricht (Kerner 1995, 49). Nach dem Tod ihrer Lehrmeisterin wurde Hildegard von Bingen in deren Amt als Magistra erhoben und begann die asketischen Lebensumstände im Kloster sprich Mahl- und Gebetszeiten zu mildern, was zu ständigen Auseinandersetzungen mit dem Abt des Klosters führte (Kerner 1995, 116). 

Hildegard von Bingen ist es zu einer Zeit, in der Frauen als mindere Lebewesen galten gelungen, sich großes Ansehen als Mystikerin, Prophetin, Dichterin und Autorin naturheilkundlicher Texte zu verschaffen (Diers 2012, 1). Ihr "medizinisch-naturkundliches Werk" macht sie zur "Meisterin der Heilkunde", "Naturforscherin" sowie Ärztin. Oft wurde behauptet, Hildegard von Bingen habe ihr Wissen über die Natur ohne die damalige Wissenschaft erlangt, jedoch lag sie mit ihren Analysen auf derselben Linie wie die Naturwissenschaft zu ihrer Zeit (Büchner 2009, 81-82). 

Mit 38 Jahren wird Hildegard von Bingen zur Äbtissin des Klosters gewählt. Hildegard hat ihr ganzes Leben hindurch göttliche Visionen (Büchner 2009, 20-23). 1147 erhält sie folglich vom Papst die Erlaubnis, ihre Visionen zu verschriftlichen und zu veröffentlichen (Kerner 1995, 142). Ihr erstes visionäres Werk "Scivias", "Wisse die Wege" verfasst sie mit 43 Jahren (Horst 2000, 227).

1165 kauft Hildegard von Bingen ein heruntergekommenes Kloster am Rhein und lässt es aufbauen. Diese Klostergründung soll nicht-adeligen, mittellosen Frauen die Aufnahme ermöglichen (Kerner 1995, 142). Bei Erwerb dieses Klosters erledigte sie die Finanzierung und beschäftigte sich mit den Bauplänen (Horst 2000, 165). 

Im Alter von sechzig Jahren begibt sich Hildegard von Bingen auf Predigtreisen, was sehr außergewöhnlich für Frauen dieser Zeit war (Büchner 2009, 100). Hildegard predigte in von Männern geleiteten Kirchen, belehrte diese und urteilte scharf über deren Verhalten (Horst 2000, 147). Sie erkannte, dass das Verhalten und die Missstände innerhalb der Kirche andere religiöse Gruppierungen ermöglichten (Horst 2000, 154). Sie verfasste unter anderem Briefe, in denen sie ihren Unmut und Besorgtheit über die Kirche und deren Repräsentanz darlegte (Horst 2000, 158).

Hildegard von Bingen hat ihrerseits stets Kontakt und Korrespondenz zu den Mächtigsten ihrer Zeit gehabt, seien es PäpstInnen, KaiserInnen oder KönigInnen. So erlangte sie Bekanntheit als Prophetin und hatte Einfluss auf die Politik ihrer Zeit (Büchner 2009, 89). Sie starb 1179 und wurde nach ihrem Tod wie eine Heilige verehrt.

Heute kennt man Hildegard von Bingen als Testimonial für Kekse, Tees und Kräutermischungen aus Bioläden, sie steht einerseits für den „Einklang von Körper und Seele" und andererseits soll sie die Tradition und das Wissen des Mittelalters als spirituelle Autorität verkörpern. Hildegard von Bingen ist ein Beispiel dafür, was Frauen im „christlichen Mittelalter" trotz ihres niedrigen Status erwirken konnten (Büchner 2009, 11-12).

Quellen:

  • Büchner, Christine (2009): Hildegard von Bingen. Eine Lebensgeschichte. Frankfurt am Main/Leipzig: Insel Verlag.
  • Diers, Michaela (2012): Hildegard von Bingen. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.
  • Horst, Eberhard (2000): Hildegard von Bingen. Die Biographie. München: Ullstein List Verlag.
  • Kerner, Charlotte (1995): Alle Schönheit des Himmels. Die Lebensgeschichte der Hildegard von Bingen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
  • Strickerschmidt, Hildegard (1997): Heilung an Leib und Seele. URL: http://www.hildegard.at/index.php/hildegard-von-bingen (14.04.2015)
Kontakt

T: +43-1-4277-18452


Referat Genderforschung
Campus d. Universität Wien
Spitalgasse 2-4 / Hof 1.11
1090 Wien

Öffnungszeiten der
StudienServiceStelle:
DI 15-17 Uhr
Do 12-14 Uhr

Termine außerhalb der Öffnungszeiten sind nach Vereinbarung möglich.

Bibliothek:
DI 14-17 Uhr
DO 13-16 Uhr

E-Mail Studium:
spl.genderstudies@univie.ac.at

E-Mail allgemein:
office.rgf@univie.ac.at
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0