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Eva Hesse (von Yann Arhant)

Eva Hesse wird am 11. Januar 1936 in Hamburg als zweites Kind geboren. Durch das Naziregime ist die jüdische Familie gezwungen die beiden Töchter 1938 alleine in die Niederlande zu schicken. Nur ein Jahr später gelingt es ihren Eltern zu fliehen, gemeinsam mit ihren Töchtern immigrieren diese daraufhin in die Vereinigten Staaten.

1949 absolviert Eva Hesse die High School in New York und beschließt Künstlerin zu werden. Auf dem Weg dorthin absolviert sie eine Ausbildung als Schaufensterdekorateurin, belegt Kurse in Werbegrafik, Zeichnen und schließt 1959 die Yale School of Art and Architecture mit einem Bachelor of Fine Arts ab. Eva Hesse muss sich zunächst halbtags als Textildesignerin betätigen und Stoffe entwerfen. In ihrem künstlerischen Schaffen widmet sie sich in der Zeit von 1960 - 1965 überwiegend dem Zeichnen. 1963 hat sie ihre erste Einzelausstellung mit dem Titel „Eva Hesse Recent Drawings". Als Ausgangspunkt für ihre entscheidendsten künstlerischen Werke wird ein Aufenthalt in Deutschland gewertet. Dort entstehen Konstruktionszeichnungen die Eva Hesse später, unter Verwendung von neuartigen Materialien wie Fiberglas und Latex, in Reliefs und räumliche Gebilde umsetzt. Mit der Ausstellung Chain Polymers im Jahre 1968 gelingt ihr schließlich der Durchbruch als Künstlerin und weitere Ausstellungen folgen.

Zum Zeitpunkt des künstlerischen Schaffens von Eva Hesse befand sie sich in einem Umfeld von Minimal- und Pop-Art. Die Kunst von Hesse wird als nicht leicht kategorisierbar und als eine Kombination von unterschiedlichen Materialien, Strukturen und Formen beschrieben. Besonders hervorgehoben werden immer wieder ihre Experimentierfreudigkeit mit neuen Materialien und ihre daraus entstanden Skulpturen. Ihre Kunst wird zum Teil als chaotisch und geordnet, sauber und klar, aber doch verrückt betitelt und wird als voll von Widersprüchen dargestellt. Hesse selbst sagte, dass sie immer mit Widersprüchen und gegensätzlichen Formen gearbeitet hat und dies ihrer Idee von Leben entspräche.

Eva Hesse war eine von wenigen Frauen die in einer überwiegend männerdominierten Kunstszene Fuß fassen konnte. Dieser Umstand führte dazu, dass ihre Kunst häufig auf ihr Geschlecht reduziert wird/wurde. Die Arbeit mit "weichen" Materialien wie Latex oder Baumwollmull und die Darstellungen von Körperlichkeiten führten dazu, dass das Werk von Hesse als typisch weiblich galt. Weichheit, Nachgiebigkeit und Intuition stellten die Eigenschaften dar mit welche die Kunst von Hesse beschrieben wurden. Sie selbst verneinte eine klischeehafte Zuschreibung dieser auf das weibliche Geschlecht. Sie betonte, dass Kunst die Essenz, die Seele und das Zentrum beträfe und es egal sei ob diese von einem Mann oder einer Frau geschaffen wird. Darüber ob Hesse als eine Vorreiterin für feministische Kunstbestrebungen gilt oder ob diese von feministischer Seite vereinnahmt wird gibt es andauernde Debatten. In ihrer Kunst schien sie die Polaritäten des Weiblichen und Männlichen aufzulösen, auch gerade deswegen kann sie m.E. durchaus zumindest als Inspiration für feministische Kunst angesehen werden.

Ein weiterer wichtiger Erzählstrang über Eva Hesse stellt ihr Leidensweg und die Schicksalsschläge in ihrem Leben dar. Die Verfolgung durch das Naziregime während ihrer Kindheit, die Depressionen und der Selbstmord ihrer Mutter sowie ihre Erkrankung an einem Gehirntumor werden häufig als zentrale Einflüsse auf ihr Kunstschaffen gewertet. Hesse meint zwar, dass die Grundlage von Kunst dort entsteht wo Kunst und Leben zusammentreffen, ihre Kunst nach ihrer leidvollen Biographie zu bewerten greift m.E. aber zu kurz. Ihre Kenntnis der zeitgenössischen Kunstszene, der eigenständige Beitrag zur Kunst der 1960er sowie ihre formale Kühnheit würden häufig wegen der einseitigen Konzentration auf ihre Verlusterfahrungen vernachlässigt werden. Überdies hinaus läuft die häufig m.E. zu starke Betonung ihres Leidens Gefahr, dass sie in eine stereotype weibliche Opferrolle hineinstilisiert wird.

Mit 34 Jahren stirbt Eva Hesse am 29. Mai 1970 an den Folgen ihres Gehirntumors.

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