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Workshop mit David Halperin: Body Meets Politics (2008)

Das Format des Graduiertenworkshops (Konzept: Marlen Bidwell-Steiner) ist in das Focusmodul im Masterstudium Gender Studies eingebettet. Ziel ist es, mit den Studierenden, die jeweils schon einen akademischen Grad aus ihrer Stammdisziplin vorweisen können, alle Bereiche akademischer Wissensproduktion in einem realistischen Setting durchzuspielen.

In einem ersten Schritt erhalten sie im Rahmen der Ringvorlesung die Möglichkeit, die Vielfalt und Breite interdisziplinärer Zugänge zu einem konkreten Thema kennenzulernen. Im begleitenden Seminar vertiefen sie einzelne Positionen, um aktiv Forschungsfragen und –thesen zu bilden. Im Graduiertenworkshop sollen sie einüben, diese auf Augenhöhe mit international renommierten Forscherinnen und Forschern zu diskutieren, um die so gewonnenen inhaltlichen Erweiterungen und Forschungsnetzwerke in einem Forschungsseminar und in ersten Publikationsprozessen zu vertiefen.

Fokus 2008: Körper - Sexualität - Geschlecht

Ausgangspunkt des Graduiertenworkshop "Body Meets Politics" im Mai 2008 war das von Marlen Bidwell-Steiner und Ursula Wagner geleitete Seminar "Körper-Sexualität-Geschlecht". Die Frage, wie sexuelle Orientierung und Begehrensstrukturen politisch relevant und in individuellen Geschlechts-Körpern als Identitätskonzepte aktualisiert werden, wurde zunächst mittels historischer und kulturanthropologischer Beispiele untersucht.

Dieser Fokus auf zeitliche und kulturelle Alterität sollte den Blick dafür schärfen, dass normierte Geschlechtskörper in je konkrete Kontexte eingebettet sind, die allerdings letztlich kontingente Phänomene darstellen. Die Studierenden lernten so nicht nur an konkreten Problemdarstellungen Essentialismen zu verstehen und zu dekonstruieren, sondern vor allem auch das im devianten Geschlechtskörper repräsentierte abgespaltene Andere und die darin aufgehobenen kollektiven Ängste und Machtasymmetrien zu demaskieren.

Durch die aus historischer bzw. ethnologischer Perspektive erarbeiteten Alteritätserfahrung gelingt es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch, die für die Formulierung von Forschungsfragen notwendige Distanz zu aktuellen Geschlechtskörper-Modellen zu entwickeln und damit Fragen nach Geschlechterdemokratie jenseits der heterosexuellen Norm zu stellen.

Aus den Lehrveranstaltungs-Teilnehmerinnen  und -Teilnehmern bildeten sich interdisziplinäre Kleingruppen von fünf bis sieben Personen, die in drei Panels ihre Fragestellungen vor allem auf das dafür relevante disziplinär unterschiedliche Geschlechterwissen untersuchen und so neue Perspektiven und Forschungsinteressen entwickelten. Die Studierenden, die alle einen postgradualen Hintergrund haben,  knüpften die theoretische Reflexion an konkrete zeitlich und räumlich ebenso wie politisch-sozial kontextualisierte Fallbeispiele.

TeilnehmerInnen:

Elisabeth Dantos, Laura Dobusch, Bettina Enzenhofer, Mateuz Isakiewicz, Nadine Kegele, Anja Le, Ulrike Prielinger-Pokieser, Steffen Rother, Lisi Schleicher, Jovana Stojkovska, Thiemo Strutzenberger, Marina Tomic, Irmgard Wutscher, Katharina Kreissl

Organisation/Moderation:

Marlen Bidwell-Steiner, Ursula Wagner, Maria Katharina Wiedlack, Referat Genderforschung der Universität Wien

Panel I: Queerness & Movement:

In diesem Panel standen Fragen nach dem Potential von Queerness als soziale Bewegung im Mittelpunkt: Wie können Gruppen gemeinschaftlich politisch agieren, ohne auf eine kollektive Identität zu rekurrieren? Wie können Forderungen formuliert werden, ohne Essentialismen zu bemühen? Wie kann Differenz jenseits von Dichotomien und Hierarchien gelebt und deren Akzeptanz eingelöst werden?

Respondenz: David Halperin, Ann Harbor University Michigan

Panel II: Queerness & Performance

Dieses Panel untersuchte Inszenierungen und Rituale von Queerness und deren Dekonstruktion und Rekonstruktion von Be/Deutungszusammenhängen: Was hat Queerness mit schwulem oder lesbischem Coming-Out zu tun? Wie wird das Unentscheidbare sagbar? (Wie) Werden Narrationen und Inszenierungen von Queerness vom Mainstream vereinnahmt? Welche kulturellen und künstlerischen Techniken der Subversion kennzeichnen queere/ schwule /lesbische /intersexuelle  Performanz?

Respondenz: Erzsébet Barát, Central European University Budapest

Panel III: Queerness & Regulations

Dieses Panel fragte nach konkreten Machttechniken und Regulierungsverfahren, die nicht-heteronorme Lebensentwürfe ermöglichen bzw. verhindern und bedrohen: Welche Sexualstrafgesetze treffen welche Personengruppen wie? Welche Formen von Partnerschaften sind jeweils anerkannt? Welche Körperregulierungen werden im Fall uneindeutiger sekundärer Geschlechtsmerkmale propagiert und angewandt?

Respondenz: Nikolaus Benke u. Elisabeth Holzleithner, Universität Wien

Abendvortrag von David Halperin

David Halperin: "Tragedy Into Melodrama: Towards a Poetics of Gay Male Culture"

Dateien:
BmP_plakat.pdf (54 K)
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