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Gleichheit_en – Teil 2 der Ringvorlesung Gender Studies, Sommersemester 2017

Die Gastvorträge der zweisemestrigen Vorlesungsreihe widmen sich Disziplinen übergreifend ausgewählten Aspekten von Gleichheit aus intersektionaler Perspektive. Thematisiert werden zum Beispiel das feministische Gleichheitsdilemma, das Problem von Gruppenkategorien im Antidiskriminierungsrecht oder die Forderung nach Verwirklichung gleicher Lebenschancen in sozialen und politischen Gemeinschaften. Dekonstruktivistische Kritiken am liberalen Ideal der Gleichheit aus postkolonialer Perspektive bekommen hier ebenso Raum wie Analysen von Gleichstellungspolitiken im gegenwärtigen Krisendiskurs oder die immer wieder neu zu stellende Frage nach den Bedingungen einer gleichberechtigten Anerkennung von Verschiedenheit.

Die Vorträge der Ringvorlesung Gender Studies an der Universität Wien sind öffentlich und können im Masterstudium und in den Erweiterungscurricula Gender Studies prüfungsimmanent besucht werden. Dafür sind zusätzliche Lehrveranstaltungstermine (Opens external link in new windowLV-Nr. 240 236) zu absolvieren.

Programm

21.03.2017: Sarah Elsuni: Menschenrechte – Frauenrechte – queeres Recht!? Zur Umsetzung von Gleichheit und/oder Differenz in internationalen Menschenrechten

Der Gedanke normativer Gleichheit – also die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz – ist einer der Grundpfeiler des modernen Rechts. Auch deshalb stellt der Rechtsdiskurs ein starkes Instrument dar, auf das sich Menschen sowie ganze Bewegungen, die Rechtsverletzungen zumeist aus marginalisierten Positionen heraus anprangern, oft berufen. Gleichzeitig wird vor der Tatsache bestehender Differenzen von Menschen diese Berufung auf Gleichheit kritisch hinterfragt. Es geht um die Frage: Gleiches Recht für alle oder unterschiedliche Rechte, die Differenzen unter Menschen fokussieren? Der Vortrag wird im Bereich internationaler Menschenrechte insbesondere an den Beispielen des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) sowie der Yogyakarta-Prinzipien beleuchten, aus welchen Gründen und mit welchem Nutzen, aber auch mit welchen Herausforderungen, die Proklamierung sowie die Umsetzung der Forderung nach Gleichheit sowie nach Differenzen im Recht erfolgt. 

Prof.in Dr.in Sarah Elsuni ist Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences für das Recht der sozialen Arbeit mit Schwerpunkt Recht der Frau/Legal Gender Studies. Zuvor vertrat sie die Professur für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Humboldt Universität zu Berlin und war als Referentin bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes tätig. Ihre Forschungs- und Lehrschwerpunkte umfassen u.a. die Bereiche legal gender studies, Antidiskriminierungsrecht und Grund- und Menschenrechte im Mehrebenensystem.

04.04.2017: Shalini Randeria: Bevölkerungspolitik und der Staat: Nord-Süd Ungleichheit_en

Der öffentliche Vortrag von Shalini Randeria muss leider aus Krankheitsgründen entfallen!

Der Vortrag geht der Frage nach in welcher Weise Reproduktion zur staatlichen Angelegenheit wird, die zur Beschneidung von Frauenrechten beiträgt. Hierbei werden sowohl die fertilitätssenkenden Programme in Staaten des globalen Südens thematisiert als auch die nationalistische pronatalistische Politik in Westeuropa wie Osteuropa, die zunehmend als eine Alternativ zu Migration  propagiert wird. Anhand der Kontroverse zwischen Malthus und Condorcet wird ferner argumentiert, dass die damalige Debatten um Armenfürsorge wie Frauenrechte auch heute noch relevant sind.

Prof.in Dr.in Shalini Randeria ist Rektorin des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen, Wien, und Professorin für Soziologie und Sozialanthropologie am Graduate Institute of International and Development Studies, Genf. Sie war Präsidentin der European Association of Social Anthropologists und ist Mitglied des Board of Trustees der Central European University, Budapest. Ihre Forschungsinteressen umfassen Globalisierung und Staatlichkeit, Recht und Politik, soziale Bewegungen. Jüngste Veröffentlichungen sind "Politics of the Urban Poor" (2015), "Border Crossings: Grenzverschiebungen und Grenzüberschreitungen in einer globalisierten Welt" (2016).

02.05.2017: Lucy Chebout: Gleichheit, Dominanz und eine Straßenkreuzung

Der Vortrag stellt zunächst verschiedene Ansätze vor, die zu einem vertieften Verständnis von Gleichheit(en) beitragen und die auf Dominanzverhältnisse fokussieren (zB „Privilegien“, Mittäterschaft) sowie auf das Zusammenwirken verschiedener Ungleichheitsdimensionen (zB Intersectionality, Mehrfachdiskriminierung). Daran anschließend soll anhand aktueller feministischer und rassismuskritischer Debatten thematisiert werden, welche spezifischen Herausforderungen sich ergeben, wenn Diskriminierungs- und Dominanzaspekte gleichzeitig zum Tragen kommen. Schließlich werden Beispiele präsentiert und zur Diskussion gestellt, wie mit diesen Herausforderungen sowohl wissenschaftlich als auch aktivistisch umgegangen werden kann. Der Vortrag ist partizipativ und interaktiv angelegt.

Lucy Chebout studierte Rechtswissenschaften, Gender Studies und Islamwissenschaft an der Humboldt-Universität sowie an der Freien Universität in Berlin. Seit August 2016 ist sie Rechtsreferendarin in Potsdam. Parallel dazu bereitet sie eine Promotion zu queer-feministischen Perspektiven auf das Erb- und Abstammungsrecht vor. Weitere wissenschaftlich-aktivistische Interessen sind die Themen Sexismus in der juristischen Ausbildung, Hate Speech sowie Intersektionalität und Privilegien.

16.05.2017: Sigrid Schmitz: Overlap ≠ Sameness. Zum Umgang mit Gleichheiten in der Debatte um NeuroGenderings

Auseinandersetzungen mit Geschlechterdifferenzen im Gehirn bewegen sich entlang der Linien von biologischer Bestimmtheit versus sozialisierter Differenzierungen. Unter dem Konzept des Embodying (Verkörperungen des Sozialen) werden Überlappungen und Interdependenzen nach Geschlechtergruppen und weiteren intersektionalen Kategorien im ExpertInnen-Netzwerk NeuroGenderings diskutiert. Gegner werfen den feministischen Neurowissenschaftlerlnnen Gleichmachung vor, wenn es um Überlappung geht. An der Kontroverse um „Equal ≠ The same“ zwischen Vertreterinnen der NeuroGenderings und Larry Cahill werde ich diese Kontroversen mit Bezug zu aktuellen hochschulpolitischen Entwicklungen und zum Ideologievorwurf gegen feministische Neurowissenschaften herausarbeiten und Strategien des Auseinandersetzung mit aktuellen Antigenderismen diskutieren.

Prof.in Dr.in Sigrid Schmitz ist Gastprofessorin an der HU Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften, Philosophische Fakultät I sowie Lektorin an den Universitäten Graz, Freiburg, Linz, Wien. Mehr auf www.sigrid-schmitz.de

13.06.2017: Gundula Ludwig: Sexuelle Freiheiten, sexuelle Sicherheiten und das Begehren nach Gleichheit. Sexuelle Politiken im Wandel des Neoliberalismus

Wenn in politischen Diskursen von „Gleichheit" die Rede ist, stellt sich die Frage, was denn eigentlich der Referenzpunkt von „Gleichheit" ist – geht es um gleiche Rechte, gleiche Freiheiten, gleichen Schutz, gleiche Teilhabe, gleiche Anerkennung? In dem Vortrag wird der Fokus auf rezente sexuelle Politiken in westlichen Gesellschaften und den diesen zugrundeliegenden Gleichheitsversprechen gelegt. Ausgangspunkt ist, dass sich gegenwärtig ein Wandel des Neoliberalismus beobachten lässt, da sich dieser zunehmend autoritärer zeigt. In diesem Wandel verändern sich auch sexuelle Politiken. Diese basieren nun weniger auf Gleichheitsversprechen, die sexuelle Freiheiten ins Zentrum stellen, sondern mehr auf Versprechen sexueller Sicherheit. Nicht nur wird dabei Sicherheit nach herrschaftsförmigen Logiken definiert. Zugleich wird in diesen Diskursen und Politiken Zustimmung zu einem zunehmend autoritäreren und repressiven Staat organisiert, der mittels Versprechen nach Schutz und Sicherheit gesellschaftliche Ungleichheiten fortschreibt.

Dr.in Gundula Ludwig ist APART-Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Universitätsassistentin (post doc) am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien (aufgrund des APART -Stipendiums in dieser Funktion karenziert). Sie studierte Erziehungswissenschaften/Kritische Geschlechter- und Sozialforschung an den Universitäten Wien, Innsbruck, Berlin und New Orleans und promovierte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien 2010. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift femina politica. Die letzten beiden Stationen ihrer wisenschaftlichen Laufbahn außerhalb Österreichs waren die Vertretungsprofessur im Bereich „Diversity Politics“ am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin (2014) und als Gastwissenschaftlerin am Zentrum für transdisziplinäre Gender Studies der Humboldt-Universität zu Berlin (2015/16). 

Uhrzeit

18.30 - 20 Uhr

Ort

Hörsaal B, Campus der Universität Wien / Hof 2.11, Spitalgasse 2-4, 1090 Wien

Organisation

Univ.-Doz.in Dr.in Maria Mesner, Dr.in Sushila Mesquita, Mag.a Katrin Lasthofer

Kontakt

T: +43-1-4277-18452


Referat Genderforschung
Campus d. Universität Wien
Spitalgasse 2-4 / Hof 1.11
1090 Wien

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