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9. Ringvorlesung: Obskure Differenzen: Psychoanalyse und Gender Studies? (2009/10)

Die neunte Ringvorlesung der Reihe Gendered Subjects nützte den Genius Loci des AAKH-Campus der Universität Wien für die Erkundung der Schnittmenge von "Psychoanalyse & Gender Studies". Dabei wurden die wechselseitigen Inanspruchnahmen, Entwicklungen,Beeinflussungen und Konfrontationen zwischen den beiden Forschungsfeldern und Forschungspraxen fokussiert.

Konzeption und Organisation: Marlen Bidwell-Steiner

Die Auseinandersetzung mit psychoanalytischen Paradigmen zieht sich wie ein roter Faden durch die feministische Theorienbildung von Simone de Beauvoir über Luce Irigaray bis Judith Butler. Ob Melancholie, Verdrängung, Fetisch, Maskerade, Libido: genuin psychoanalytische Theoreme zählen zum fixen Repertoire der Gender Studies, vielfach allerdings losgelöst von der Reflexion ihres ursprünglichen Bedeutungsfeldes.

Der oft eklektische Zugriff auf Termini führte zu produktiven Weiterentwicklungen wie etwa in feministischer Film- und Kunsttheorie, in politischen Subversionsdiskursen, in der Dekonstruktion postkolonialistischer Geschlechterregime. Diese Aneignung und Bearbeitungin feministischen Kultur- und Sozialwissenschaften lässt aber zunehmend die Differenzen psychoanalytischer Schulen außer Acht, sodass umstrittene Begriffe wie etwa "Über-Ich" oder "Todestrieb" mit aus der Auseinandersetzungresultierenden Neukonzeptualisierungen vermischt werden. Dabei ist gerade "Differenz" eine Kategorie, die für beide Forschungsfelder von zentralem Interesse ist, insbesondere die Frage nach der Geschlechterdifferenz.

Die Psychoanalyse bietet dafür ein wichtiges Spannungsfeld, da sie trotz Emphase auf die Sphäre des Symbolischen immer an die Leiblichkeit gebunden bleibt. Das bedingt, dass in der Zeichenhaftigkeit des Körpers immer auch ein unbewältigter Rest zu berücksichtigen ist, den Lacan etwa als Sphäre des Realen beschreibt. Diese nicht essentialistisch oderbiologistisch zu fassen, vermitteln Ansätze der Frauen- und Geschlechterforschung.

Die Ringvorlesung verhandelte folgende Fragen:

  • Welche Rezeptionslinien von Freud über nachfolgende PsychoanalytikerInnen zur Genderforschung lassen sich nachzeichnen?
  • An welchen Punkten zeigen sich Kontroversen?
  • Welche bislang unbeachteten Elemente der Psychoanalyse bieten sich für weitere poststrukturalistische Theorienbildung an?
  • Welche Aporien und Probleme lassen sich aus Sicht der Genderforschung innerhalb der Psychoanalyse offen legen?
Kontakt

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