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6. Ringvorlesung: Freiheit und Geschlecht – Offene Beziehungen, Prekäre Verhältnisse (2006/07)

Unter dem Stichwort Liberalisierung vollziehen die westlichen Gesellschaften seit mehr als zwei Jahrzehnten eine janusgesichtige Veränderung: Einerseits werden Normen zunehmend aufgeweicht und ermöglichen unterschiedlichste individuelle Lebensentwürfe (Stichwort: gleichgeschlechtliche Ehe), andererseits nimmt der Druck des Marktes auf ebendiese individuellen Sphären (Stichwort: Selbstmanagement) zu: Der Rückzug der Politik aus immer mehr Lebensbereichen geht Hand in Hand mit dem Vormarsch der Ökonomie.

In diesem Prozess mit ungewissem Ausgang stehen insbesondere auch Geschlechterkonstruktionen und Geschlechterverhältnisse auf dem Spiel. Diskurstheoretische Ansätze der Gender Studies sind dabei nur ungenügend analysetauglich, weil sie von einem machtvollen Regulierungsapparat mit klaren Verantwortlichkeiten ausgehen. Sie müssen dahingehend erweitert werden, dass das Diktat des Marktes in seiner Allmächtigkeit entpersonalisiert und entideologisiert, sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt zunehmend über "Selbsttechnologien" (Michel Foucault) sichergestellt wird.

Diese Selbsttechnologien sind jenen Gruppierungen leichter aneigenbar, die schon bisher über mehr Ressourcen verfügten. Deregulierung und Privatisierung gehen daher u.a. im mehrfachen Sinne auf Kosten der Frauen: Einerseits ist die Umsetzunggeschlechtergerechter Maßnahmen an ein sozialpolitisches Regulativ gebunden, andererseits werden viele bislang öffentliche Aufgaben in den privaten Bereich ausgelagert und dort vor allem von Frauen – unentgeltlich! – wahrgenommen.Diese gesellschaftliche Entwicklung wirkt global - im geographischenwie im übertragenen Sinn. Die Ringvorlesung versuchte, Leerstellen und Freiräume in den unterschiedlichsten Sphären zu beleuchten und Zusammenhänge aufzuzeigen.

Die Kategorie Geschlecht wurde entlang folgender Schwerpunkte analysiert: "Freiheit" und Politik (Von der Aufklärung zum Neoliberalismus):Zivilgesellschaft, Global Governance, "neue Bürgerlichkeit", Migration und Menschenrechte; "Freiheit" und Ökonomie: Unbezahlte Arbeit (Care-/Reproduktionsarbeit), Arbeitsmigration, Sexarbeit, Kolonisierung durchFreihandelszonen, Prekarität, "Ich-AG"; "Freiheit" und Medien: "soziales" Marketing, "Berlusconismo" und Zensur, Neue Medien, Werbebilder, Geschlechterstereotype im Film; "Freiheit" und Gesellschaft: Familienmodelle, liberalisierter Bildungs-"Markt", Reproduktionstechnologie, Technik und Risikodiskurs

Konzept und Organisation:

Marlen Bidwell-Steiner in Kooperation mit Susanne Kimm und Michaela Reichel des Referats für feministische Politik der Österreichischen HochschülerInnenschaft 

 

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