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5. Ringvorlesung: Geschlecht zwischen Aneignung und Enteignung (2005/06)

Die fünfte Ringvorlesung der Reihe "GENDERED SUBJECTS" zielte auf verstärkte Sensibilisierung für und Einmischung in politische und ökonomische Entwicklungen.

Konzept und Koordination: Marlen Bidwell-Steiner

Aus einer geschlechtersensiblen Perspektive wurden Fragestellungen entlang folgender Schwerpunkte beforscht:

  • Rechtsphilosophisch: Welches Geschlecht trägt eine eigentumsfähige
    Rechtsperson? Wann ist eine Sache "herrenlos" und einer Aneignung durch wen preisgegeben? Welche Geschlechtsmarkierungen prägen das Spannungsfeld "Enteignung" zwischen marxistischem
    Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe an den Produktionsmitteln
    und totalitären Beutezügen?
  • Politisch-Ökonomisch: Welche Neuordnungen von Eigentum ergeben sich aus Privatisierung und Liberalisierung von Märkten
    und welche Rolle spielt dabei geschlechtsspezifische Arbeits-Verteilung? Wie wirkt sich das Zusammenspiel von lokalen Rechtsnormen und kriegs- und seuchenbedingten sozialen Verwerfungen in Bezug auf Landeigentum in Entwicklungsländern aus? Wer hat ein Eigentums- und Nutzungsrecht auf Überlebensressourcen wie Wasser, Land, Öl… und wer darf daraus Wert schöpfen?
  • Historisch: Welche sozialen und politischen Veränderungen haben eine Neuordnung von Eigentum hervorgebracht und wie wirkte sich das auf Geschlechterverhältnisse aus? Wie konstituiert sich der Zusammenhang zwischen Geschlecht, Stand und Eigentum an unterschiedlichen historischen Stationen? Welche geschlechtlich markierten Verwaltungsapparate verbinden sich mit den jeweiligen Eigentumsstrukturen?
  • Symbolisch: Welche Mechanismen kennzeichnen die Aneignung
    von geschlechtsspezifischen Erfahrungswelten und Narrativen?
    Wann wird die Einverleibung der jeweils "anderen" Memoria zur "Enteignung"? Wie wird das wiederkehrende Phänomen eines Verlustes der weiblichen Signatur jeweils legitimiert? Wie wird der weibliche Körper diskursiv verdinglicht und dadurch etwa in Reproduktionstechnologien teilweise enteignet.

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