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2. Ringvorlesung: Gender & Generation (2004)

Konzept und Koordination: Marlen Bidwell-Steiner

Schon die gemeinsame Wortwurzel der Begriffe "Gender" und "Generation" verweist auf ihre enge Beziehung. Das lateinische Verb "generare" (hervorbringen) dient dem Erzeugen von Klassifikationen, also dem Ordnen durch Trennen. Wenn nun
als Parameter für das Ordnen so unterschiedliche Phänomene wie grammatikalisches Geschlecht, Adelsreihe oder literarische Gattung die Kategorie Geschlecht fungiert, wird die basale binäre Konstruktion von Geschlechtlichkeit offen gelegt.

Der Terminus "Generation" wiederum verdeutlicht durch das Suffix den Prozess des Erzeugens und könnte in etymologischer Verbiegung polemisch als "vergeschlechtlichte Zeit" wiedergegeben werden. Dieses nicht ganz ernst gemeinte Wortspiel umreißt den Fokus der zentralen Fragestellung: Wie lassen sich die zwei
Strukturkategorien Zeit und Geschlecht zusammen denken? Welche Bilder,
Symbole und Narrationen generiert diese Beziehung in diversen
Kulturen? Wie gestaltet sie sich im Hier und jetzt?

Die Ringvorlesung widmete sich dem Themenfeld Gender & Generation auf unterschiedlichen Ebenen, die sich ihrerseits berühren und bedingen:

  • Das individuelle ln-der-Welt-Sein mit einer geschlechtsidentität, die
    einem alternden, vergänglichen Körper eingeschrieben ist
  • Die Sozialisierung im zeitlichen wandel innerhalb einer kollektiven
    ldentität wie Familie oder Sippe als Tochter, Sohn, Mutter, Vater,
    AltesteR, Stammesführerln ...
  • Das Erzeugen von Traditionslinien, die politische Machtverhältnisse
    konstituieren und perpetuieren, und zwar in der Male-Stream-Kultur
    ebenso wie innerhalb feministischer Hierarchiebildungen
  • Die ökonomischen und juridischen Parameter dieser Beziehung, die
    besonders in hochdifferenzierten Gesellschaften problemaitisch werden.

Durch den Anspruch, bei der Analyse des Verhältnisses von Gender &
Generation Symbolisches, lmaginäres und Reales Gleichermaßen zu
berücksichtigen, waren die unterschiedlichsten Disziplinen und Fragestellungen
eingeladen:

  • (Wie) Konstituiert sich die Figur der weisen Frau, wenn Geist männlich und Materie weiblich konnotiert sind?
  • Welche Probleme resultieren aus den gegenwärtig beobachtbaren Phänomenen der Schnelllebigkeit einerseits und der Langlebigkeit andererseits?
  • Welche Bedeutung haben lnszenierungen von Jugend und Vitalitat in einer insgesamt alternden westlichen Welt?
  • Welche Konflikte ergeben sich zwischen der stetig älter und reicher werdenden Ersten und der vielfach Epidemien- und kriegsbedingt alterlosen und verarmten Dritten Welt?
  • Stimmt der Befund von Elisabeth Beck-Gernsheim, dass der Krieg der Generationen den Krieg der Geschlechter ersetzt? (wie) wird der vielzitierte Generationenvertrag modifiziert? Und läßt sich nicht auch innerhalb der feministischen Traditions- und Theorienbildung ein "Generation Gap" feststellen?
Dateien:
Folder_RV_04.pdf (0.9 M)
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