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Kurzbeschreibung der Vorträge der Ringvorlesung "Gleichheit_en" (WS 2016/17)

Elisabeth Holzleithner: Gleichheitskonzepte aus der Perspektive der Legal Gender Studies (25.10.2016)

Die Expertin für Legal Gender Studies der Universität Wien stellt in ihrem Vortrag vier Strömungen der Legal Gender Studies vor, welche sich der Gleichheitsproblematik gewidmet haben: Gleichheitsdoktrin, Differenzansatz (inklusive Differenzdilemma), Dominanzkonzeption und Intersektionalitaet/Mehrdimensionalitaet. Sie wird zu zeigen versuchen, wie sich diese Ansätze jeweils in der rechtlichen Realität niedergeschlagen haben.

Univ.-Prof.in Dr.in Elisabeth Holzleithner ist Universitätsprofessorin für Rechtsphilosophie und Legal Gender Studies, Vorständin des Instituts für Rechtsphilosophie und Vizestudienprogrammleiterin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

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Stefanie Wöhl: Trapped in the gap? Soziale und politische Ungleichheiten in multiplen Krisen (15.11.2016)

Krisen im Kapitalismus gibt es immer wieder. Wenn diese ökonomischen Krisen Länder des globalen Südens erfassen,  profitiert der globale Norden oft davon. Werden aber wie z.B. seit 2008 auch die USA oder Europa von Finanz- und Wirtschaftskrisen erschüttert, werden die Folgeeffekte dieser Krisen auch in Europa sichtbar: Steigende Arbeitslosigkeit, weniger Einkommen, mehr prekäre Beschäftigung, rassistische und nationalistische Diskurse nehmen zu und die soziale Ungleichheit steigt. Auch die geschlechtsspezifischen Effekte treten deutlicher zutage, indem unbezahlte Arbeit in Privathaushalten zunimmt, Migrant_innen ihre ehemals bezahlten Arbeitsplätze dort verlieren, oder der Gender Pay Gap sich verringert, weil auch Erwerbstätige verschiedenen Geschlechts an Kaufkraft oder ihre Arbeitsplätze verlieren. In diesem Kontext werden gleichheitsfördernde Initiativen wie z. B. Gender Mainstreaming oder Gender Budgeting kaum noch umgesetzt oder dem Theorem von Wettbewerbsfähigkeit angepasst. In diesem Vortrag werde ich aktuelle Entwicklungen in der Europäischen Union aufgreifen, und sie mit Krisenerfahrungen in Asien und Lateinamerika kontrastieren. Wie die koloniale Vergangenheit Europa selbst wieder einholt soll dabei genauso thematisiert werden, wie die politischen Ungleichheiten, die daraus innerhalb der Europäischen Union neu entstehen. Bezug nehmen wird der Vortrag dabei auf postkoloniale Theorien der (Un-)Gleichheit und theoretische feministische Debatten zu sozialer Gleichheit.

Dr.in Stefanie Wöhl ist promovierte Politikwissenschaftlerin und leitet das Opens external link in new windowStadt Wien Kompetenzteam für European and International Studies der FH des bfi Wien.

Mieke Verloo: Away from democracy and gender equality? Current dynamics in Europe (29.11.2016) 

There are many signs that opposition to gender and sexual equality in Europe is growing. How to understand this? How uneven is it across Europe and why, and where in Europe is opposition strongest? Where can we expect the highest impact and why? There are also many signs that democracy across Europe is endangered. How then to design new feminist strategies that can work in increasingly hostile political environments?

This talk will engage in outlining a proposal for a shift in research on gender+ and politics to more critical, comparative and inclusive studies that can support feminist and progressive politics. Central concepts and arguments are about the intersectionality of gender inequality, about the importance and improbability of future deep democracy in Europe, about the negative impact of institutional decline in international politics, and about linkages between the domain of politics and other domains.

Prof. Dr. Mieke Verloo is professor of comparative politics and inequality issues at the department of Political Science and is affiliated with the Institute for Gender Studies at the University Nijmege /The Netherlands. Together with Prof. Yvonne Benschop, she is director of the multidisciplinary research hotspot Gender and Power in Politics and Management. The analysis, development and design of gender equality policies in Europe is at the heart of her research, consultancy and teaching. 

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Christine M. Klapeer: Die Tribade und der Leviathan, oder: wie geht ‚richtiger‘ Staatsbürger*sex? Queere und postkoloniale Betrachtungen (13.12.2016)

Auch wenn ‚moderner‘ Staatsbürger*schaftskonzeptionen auf den ersten Blick wenig mit Sexualität oder Intimität zu tun haben, so  erscheinen sie bei einer näheren Betrachtung als höchst sexualisierte Narrationen. Mehr noch,  sie enthalten gleichsam ‚Anleitungen‘, wie, wozu, mit wem und auf welche Weise ‚richtige‘ oder ‚gute‘ Staatsbürger* Sex haben soll(t)en. Anhand prägender politischer Theoretiker der Neuzeit, wie u.a. Thomas Hobbes, Jean Jacques Rousseau und Immanuel Kant, wird in dem Vortrag den sexuellen Grammatiken von Staatsbürger*schaftskonzeptionen sowie ihren je spezifischen rassialisierten, klassisierten und vergeschlechtlichten Implikationen  nachgespürt. Vor dem Hintergrund queerer und postkolonialer Ansätze wird diskutiert, welche Bedeutung (Hetero-)Sex/ualität und heteronormative Beziehungskonstellationen für Konstruktionen von staatsbürgerlicher Gleichheit einnehmen und  wer als das jeweilige ‚verworfene Andere‘, als das ‚Abjekt‘, als konstitutive Abgrenzungsfolie des ‚guten‘ Staatsbürgers entworfen wurde: Wem wird aufgrund seiner* (ihrer?) (ungezügelten) sexuellen Leidenschaften und Praktiken (bis heute) der Status eines* Staatsbürger* abgesprochen? Der Vortrag endet daher auch mit der Frage, welche Relevanz diesen Narrationen in aktuellen (transnationalen) feministischen und queeren Kämpfen um (sexuelle) Bürgerrechte, Anerkennung und Nicht-Diskriminierung immer noch zukommt.

Dr.in Christine M. Klapeer ist promovierte Politikwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Bereich Gender/Queer Studies am Institut für Entwicklungssoziologie der Universität Bayreuth der Universität Bayreuth

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Andrea Maihofer: Mehr als gleiche Rechte! Gleichstellungspolitik – wie weiter? (24.01.2017)

Dieser Vortrag wird sich aus zwei unterschiedlichen Richtungen dem Thema Gleichheit nähern. In einem ersten Schritt wird es um die Frage gehen, was es mit dem Gleichheitsbegriff zu tun hat, dass das aktuelle Verständnis offizieller Gleichstellungspolitik, wie schon an der gängig gewordenen Bezeichnung deutlich wird, sich inzwischen häufig auf einige wenige Themen (wie gleicher Zugang zu Bildung, Beruf, Führungspositionen, Vereinbarkeit, gleicher Lohn) reduziert und auf das blosse Erreichen gleicher Rechte verengt hat. Wichtige Themen (wie sexuelle Belästigung, häusliche Gewalt, Sexismus) sind damit nicht (mehr) wirklich im Begriff der Gleichstellungspolitik aufgehoben. Zudem besteht  offensichtlich derzeit kein allgemeiner gesellschaftlicher Konsens (wenn er denn je bestanden hat) darüber, dass es nicht lediglich um rein formale, sondern materielle Gleichheit geht. Das begünstigt gerade im Rahmen neoliberaler Transformationsprozesse ein verstärktes Ausklammern der gesellschaftlichen Verantwortung für die Herstellung materieller Bedingungen, die für die Realisierung tatsächlicher Gleichstellung unabdingbar sind. Hintergrund wird eine Studie sein, die im Herbstsemester mit einigen Studierenden am Zentrum Gender Studies durchgeführt wird. In ihr werden das aktuelle Verständnis junger Erwachsener von der offiziellen Gleichstellungspolitik untersucht werden. In einem zweiten Schritt wird es um die Frage gehen, weshalb Begriffe wie Freiheit, Selbstbestimmung oder Emanzipation, die für die frühere Frauenbewegung neben dem Begriff der Gleichheit zentral waren, immer mehr in den Hintergrund geraten sind und weshalb sie gerade in letzter Zeit wieder vermehrt in feministischen Debatten präsent sind. Abschließend werden einige Thesen zur Neubestimmung feministischer Politik formuliert, in denen das Verhältnis von Gleichheit und Differenz aus der Perspektive der Freiheit kritisch reflektiert und zu erweitern versucht wird.

Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Maihofer ist seit 2001 Professorin für Geschlechterforschung und Leiterin des Zentrums Gender Studies der Universität Basel. Ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit umfasst Geschlechtertheorie, Gesellschaftstehorie und Geschlechterforschung.

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Zurück zu Opens external link in new windowGleichheit_en – 17. Ringvorlesung Gender Studies an der Universität Wien im Wintersemester 2016/17

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