Logo der Universität Wien

Geschichte und Entstehung des Referats Genderforschung der Universität Wien

Plakat "100 Jahre Frauenstudium" der Interuniversitären Koordinationsstelle für Frauenforschung Wien (1997)

Die Entstehung des Referats Genderforschung der Universität Wien (RGF) geht auf Initiativen engagierter Wissenschafterinnen Ende der 1980er Jahre zurück. Die Einrichtung  ist eng mit der Bestrebungen für eine Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechterforschung an den österreichischen Universitäten und den Anfängen und Entwicklungen universitärer Gleichstellungspolitik beziehungsweise deren gesetzlichen Rahmenbedingungen (Bundesgleichbehandlungsgesetz 1993, Universitärer Frauenförderplan, Universitätsorganisationsgesetz UOG 199) verbunden. 

Grundstein: Interuniversitäre Koordinationsstelle für Frauenforschung und Frauenstudien Wien

Eine organisatorische Vorläuferinstitution des Referats Genderforschung ist die 1993 gegründete erste "Interuniversitäre Koordinationsstelle für Frauenforschung und Frauenstudien Wien". Die als interdisziplinär konzipierte Dienstleistungseinrichtung sollte vor allem die fehlende universitäre Infrastruktur für Frauenforschung ersetzen und Forschungsleistungen sichtbar machen. Neben der Universität Wien waren die Akademie der Bildenden Künste Wien, die Hochschule für Angewandte Kunst und die Wirtschaftsuniversität Wien an dieser ersten „Ko-Stelle“ beteiligt.

Mit der Implementierung des UOG 1993 im Jahr 2000 („Universitätsautonomie-Gesetz)“) wurde die universitätsübergreifende Koordinationsstelle unter dem Namen „Projektzentrum für Frauen- und Geschlechterforschung“ in die Universität Wien eingegliedert und der Zuständigkeit des Vizerektorats für Personalangelegenheiten und Frauenförderung unterstellt. Im Jahr 2001 wurde die mittlerweile in „Projektzentrum Genderforschung“ umbenannte Einrichtung neben das neu gegründete Projektzentrum Frauenförderung (heute: Abteilung für Gleichstellung und Diversität) Teil eines „Zentrums für Frauenförderung und Genderforschung“. Im Zuge der Vorbereitung für ein Masterstudium Gender Studies wurde das Projektzentrum Genderforschung nochmals neu situiert und 2004 dem Vizerektorat für Lehre und Internationales innerhalb der DLE Studien-und Lehrwesen zugeordnet, wo es seit 2005 unter dem Namen „Referat Genderforschung“ strukturell verankert ist.

Ihre Prägung erhielt die „Ko-Stelle“ seit Beginn an durch die Interessen und das Engagement der in ihr tätigen Mitarbeiter_innen und Leitungspersonen. Die Tätigkeiten der Einrichtung haben sich kontinuierlich verändert. War die Ko-Stelle vormals vor allem als Dienstleistungseinrichtung zur Beratung und Unterstützung von Wissenschafterinnen im Sinne einer „institutionellen Strukturhilfe“ auf dem wachsenden Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung tätig, ist die heutige Einrichtung vor allem zentrale Organisationseinheit des Masterstudiums Gender Studies und inhaltliche Impulsgeberin der interdisziplinären Gender Studies durch die Ausrichtung wissenschaftlicher Veranstaltungen und Publikationen mit nationaler und internationaler Resonanz.

Zeitlicher Überblick

1982

Die österreichische Wissenschaftministerin Herta Firnberg stellt erstmals ein „Sonderkontingent für die universitäre Frauenforschung“ für entsprechende Lehraufträge zur Verfügung, die  außerhalb der sonst üblichen Quoten vergeben werden.

1988/89

Im Zuge der Aufhebung der „Privilegierung des Sonderkontingentes“ durch das Ministerium, die mit faktischen Kürzungen der Lehraufträge für Frauen- und Geschlechterforschung einhergeht, formieren sich an den österreichischen Universitäten zwei Protestgruppen: Die „Österreichweite Plattform für Frauenforschung“ und die „Initiative für die Stärkung der Frauenforschung und ihrer Verankerung in der Lehre“ rund um Edith Saurer und das Institut für Geschichte der Universität Wien. Erste Forderungen nach einer Einrichtung einer Koordinationsstelle für Frauenforschung werden laut.

1990

Im Zuge der Novellierung des Universitätsorganisationsgesetzes (UOG) finden erste konzeptionelle Gespräche für eine Koordinationsstelle zwischen der „Initiative für die Stärkung der Frauenforschung und ihrer Verankerung in der Lehre“ und ihren Mistreiterinnen sowie engagierten Frauen im Wissenschaftsministerium (i.B.: Eva Knollmeyer) statt. Strukturelle Grundlage dafür stellt die durch die UOG-Novelle neu geschaffene Möglichkeit für Universitäten dar, „Interuniversitäre besondere Universitätseinrichtung“ zu schaffen(UOG § 83, Abs. 5 ).

1991

Ein umfassendes Konzept für die Errichtung der Koordinationsstellen, getragen von Wissenschafterinnen aus Graz, Linz, Salzburg und Wien, wird an das Wissenschaftsministerium übermittelt.

1992

Der Antrag auf Einrichtung einer Koordinationsstelle zur gezielten Förderung und Koordination von Frauenforschung wird im Akademischen Senat der Universität Wien eingebracht und einstimmig angenommen; das Ministerium wird um die Errichtung ersucht.  Diesbezügliche Senatsbeschlüsse der TU Wien, der Akademie der Bildenden Künste und der Hochschule für Angewandte Künste sowie der Wirtschaftsuniversität Wien folgen.

1993

Das Bundesgleichbehandlungsgesetz (B-GBG) wird erlassen. Die Interuniversitäre Koordinationsstelle für Frauenforschung und Frauenstudien Wien nach § 83 Abs3. UOG wird gegründet. Sie wird als Dienstleistungseinrichtung unter einer bevollmächtigten Kommission eingerichtet und hat die Aufgaben der Koordination und Beratung von Wissenschafter_innen und Student_innen, der Herausgabe eines kommentierten Vorlesungsverzeichnisses, der Unterstützung von Frauenforschungsaktivitäten und der Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses. Mitglieder dieser Kommission sind Daniela Hammer-Tugendhat, Friederike Hassauer, Renate Jani, Herta Nagl, Bernhard Rathmayer, Edith Saurer (Leitung), Ina Wagner und Ruth Wodak. Als Büro werden der Koordinationsstelle Räumlichkeiten der Geisteswissenschaftlichen Fakultät am Campus der Universität Wien (Spitalgassse 2-4, 1090 Wien) zur Verfügung gestellt.

1994

Ingvild Birkhahn wird zur Leiterin der Koordinationsstelle mit Sitz und Stimme in der Bevollmächtigten Kommission ernannt. Weitere Mitarbeiterinnen „der ersten Stunde“ sind Anette Baldauf, Susanne Rieser, Renate Retschnig, Sabine Strasser und Andrea Eckhart bzw. Margit Baier.

1995

Der erste Frauenförderungsplan nach B-GBG für das Wissenschaftsressort wird erlassen.

2000

An der Universität Wien wird das Universitätsorganisationsgesetz (UOG 1993) implementiert.  Da das UOG 1993 keine interuniversitären Einrichtungen vorsieht, wird die Wiener Koordinationsstelle zum Projektzentrum Frauen- und Geschlechterforschung und in das Zentrum für überfakultäre Forschung unter der Fachaufsicht durch Vizerektorin Gabriele Moser und der Dienstaufsicht durch Vizerektor Arthur Mettinger eingegliedert. Anstelle der Bevollmächtigten Kommission wird ein beratender Beirat für Frauenförderung und Genderforschung gegründet, der in enger Zusammenarbeit mit dem Projektzentrum Genderforschung als beratendes Gremium für Vizerektorin für Personal- und Frauenangelegenheiten tätig ist.

2001

Die Einrichtung wird in "Projektzentrum Genderforschung" umbenannt und steht nun neben dem neu gegründeten Projektzentrum für Frauenförderung (Maria-Theresien-Straße 3) unter dem organisatorischen Dach „Zentrum für Frauenförderung und Genderforschung“, das vom Vizerektorat für Personalangelegenheiten und Frauenförderung geführt wird.

2002

Das Universitätsgesetz (UnivG 2002) wird erlassen. Die Weiterführung der Koordinationsstellen für Frauenförderung und Geschlechterstudien wird in §19: „Einrichtung einer Organisationseinheit zur Koordination der Aufgaben der Gleichstellung, der Frauenförderung sowie der Geschlechterforschung“ festgeschrieben.

2002/2003

Ein überfakultärer Studienschwerpunkt Gender Studies im Ausmaß von 48 Semesterwochenstunden wird unter maßgeblicher Beteiligung des Projektzentrums Genderforschung in Zusammenarbeit mit dem Genderausschuss der historisch- kulturwissenschaftlichen Fakultäten und engagierten Einzelpersonen eingeführt.

2004/2005

Das Projektzentrum Genderforschung wird in die DLE Studien- und Lehrwesen eingegliedert und dem Vizerektorat für Lehre und Internationales (VR Arthur Mettinger) zugeordnet. Mit der Neuzuteilung kommen Aufbau und später Koordination und Administration des Studiums Gender Studies zu den Agenden des Referats.  Ab 2005 heißt die Einrichtung "Referat Genderforschung". Mit der internen Leitung wird Marlen Bidwell-Steiner betraut.

2006/07

Das interdisziplinäre Magister- bzw. Masterstudium Gender Studies wird mit Wintersemester 2006/07 implementiert. Zur Curriculararbeitsgruppe, und damit zu denen, die das Studium an der Universität Wien auf den Weg gebracht haben, gehören: Nikolaus Benke, Marlen Bidwell-Steiner Johanna Dorer, Elisa Heinrich, Elisabeth Holzleithner, Ursula Knoll , Herta Nagl, Margarete Rubik, Birgit Sauer, Edith Saurer, Katharina Wiedlack und Marlies Wilhelm unter Mitarbeit von Melanie Feratova-Loidolt, Alexander Fleischmann, Eva Flicker, Eva Kreisky, Margareth Lanzinger, Marion Löffler und Silvia Stoller.

2010

Sigrid Schmitz wird auf die neu eingerichtete und auf fünf Jahre befristete Professur Gender Studies (Fakultät für Sozialwissenschaften) berufen und darüber hinaus mit der wissenschaftlichen Leitung des Referats Genderforschung betraut. 

2015

Nach dem Auslaufen der Professur wird die Studienprogrammleiterin für Gender Studies Maria Mesner (Institut für Zeitgeschichte) interimistisch mit der Leitung des Referats Genderforschung betraut. Eine neue Professur für den MA Gender Studies ist nicht absehbar.

Mitarbeiter_innen und Leiter_innen seit 1993

  • Maria Sachiko Baier
  • Margit Baier
  • Anette Baldauf
  • Marlen Bidwell-Steiner (Leitung)
  • Ingvild Birkhahn (Leitung)
  • Stefanie Bielowski
  • Andrea Eckhart
  • Eva Erkinger
  • Waltraud Ernst
  • Terese Garstenauer
  • Michaela Hafner
  • Brigitta Keintzel
  • Sabine Kock (Leitung)
  • Katrin Lasthofer (aktuell)
  • Maria Mesner (Leitung, aktuell)
  • Sushila Mesquita (aktuell)
  • Katharina Miko
  • Ruth Müller
  • Lena Pöchtrager (aktuell)
  • Renate Retschnig (verstorben)
  • Susanne Rieser
  • Barbara Schiestl
  • Nicole Spatt-Vicente
  • Sabine Strasser
  • Sigrid Schmitz (Leitung)
  • Dorith Weber (aktuell)
  • Katharina Wiedlack (aktuell)
  • Ursula Wagner
  • Stefanie Wöhl
  • Karin Wozonig

(Vize-)Studienprogrammleiter_innen seit Einführung des Master -bzw. Magisterstudiums Gender Studies

  • Eva Flicker
  • Markus Köhbach
  • Elke Mader
  • Maria Mesner (aktuell)

Quellen

  • Baldauf, Anette; Birkhan, Ingvild; Griesebner Andrea (1990): Die Initiative für die Stärkung der Frauenforschung und ihrer Verankerung in der Lehre, In: L`Homme Z.F.G: 1. Jg/ 1 .H, 1990, S. 89-97.
  • Ingrisch, Doris (2015): Gender-Dimensionen. In: Kniefacz, Katharina; Nemeth, Elisabeth; Posch Herbert; Stadler, Friedrich: Universität – Forschung  - Lehre. Themen im langen 20. Jhdt., Göttingen, S. 337-361.
  • Kock, Sabine (2005): Gender Studies – Work in Progress. In: Sabine Kock, Gabriele Moser (Hg): Gender Studies. Perspektiven von Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Wien, Wien, S. 285-311.
  • Saurer, Edith (2003): Zur Geschichte einer universitären Einrichtung: Die Koordination für Frauenforschung und Frauenstudien. In: Schaller-Steidl, Roberta [Hrsg.],Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung: Konzepte, Strukturen, Praktiken, Wien, S. 71-84.
  • Schindler, Larissa; Dzierbicka, Agnieszka (1995): Überlegungen zur Verankerung der Fächerkombination Frauenforschung. In: Birkhan, Ingvild (Hrsg.):Zeitschrift für Hochschuldidaktik, 19. Jg. 2/95, S. 90-95.
  • Moser, Gabriele (2003): Institutionalisierung der Frauenförderung: Projektzentrum für Frauenförderung an der Universität Wien. In: Schaller-Steidl, Roberta [Hrsg.]: Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung : Konzepte, Strukturen, Praktiken, Wien, S. 287-299.
  • Ulrich, Silvia (2003): Zur Geschichte und Ausgestaltung der Verordnung Frauenförderplan. In: Schaller-Steidl, Roberta [Hrsg.]: Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung: Konzepte, Strukturen, Praktiken, Wien, S167-189.
  • Zeitschrift „Information“ der Genderplattform (Opens external link in new windowwww.genderplattform.at):  Heft 1/2001, 1/94, Heft 2/95 (Archiv RGF)
  • Mitteilungsblatt der Universität Wien Nr 297, 3,3, 1993, S 480
  • Opens external link in new windowIWK-Mitteilungen 4/1996, Zugriff: 29.06.2015
  • Broschüre: Initiates file downloadKOSTprobe 1993-1999 (Archiv RGF)
  • Broschüre: Initiates file downloadGENDER? GENDER! Geschlechterforschung an der Universität Wien (2003) (Archiv RGF)
Kontakt

T: +43-1-4277-18452


Referat Genderforschung
Campus d. Universität Wien
Spitalgasse 2-4 / Hof 1.11
1090 Wien

Öffnungszeiten für
Studienservice und
Bibliothek:
Dienstag 16-18 Uhr
Donnerstag 12-14 Uhr
und nach Vereinbarung

Studienservicestelle
und Bibliothek
sind von 18.-21.04.2017 geschlossen!

E-Mail Studium:
spl.genderstudies@univie.ac.at

E-Mail allgemein RGF:
office.rgf@univie.ac.at
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0