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Virginia Woolf, 1882-1941 (von Olga Zhuravleva)

Die wichtigste Forschungsfrage für Studien zur visuellen Kultur ist, "was für wen wie und warum sichtbar (gemacht) ist, zählen somit auch Praktiken der Sichtbarmachung auf dem Feld des Politischen".1 In diesem Fall versuche ich eine repräsentationskritische Auseinandersetzung mit der Biographie der britischen Schriftstellerin, Kritikerin und Übersetzerin Virginia Woolf durchzuführen. Sichtbarkeit ist nicht objektiv und muss erst transparent gemacht werden. Als Basis für meine Arbeit habe ich ihre Tagebücher verwendet, sowie eine weiblich konnotierte Biographie über sie.

Virginia Woolf (gebürtig Adeline Virginia Stephen) wurde 1882 in die Familie des berühmten britischen Literatur-Kritikers Leslie Stephen geboren. Große Wirkung für ihr zukünftiges Schaffen spielte eine strukturelle und symbolische Gewalt in ihrem Leben, die sie schon als Kind erfahren hat.  Als Virginia 13 Jahre alt war, erlebte sie einen Vergewaltigungsversuch durch ihre Cousins. Dies war der Beginn der ständigen Feindseligkeit gegenüber Männern und der physischen Seite von Beziehungen (Ablehnung gegenüber Sex).

1912 lernt sie den Kritiker Leonard Woolf in der Bloomsbury Group - einem intellektuellen Kreis von Schriftstellern, Philosophen, Literaturkritiker und Dichtern, den sie mit ihren Geschwistern gründet hat, kennen. Sie heiratet noch im selben Jahr mit dem Übereinkommen, dass es in ihrer Ehe keine sexuellen Beziehungen geben wird. "Da ich mein eigenes Geschlecht sehr bevorzuge... habe ich die Absicht, in Zukunft nur noch die Gesellschaft von Frauen kultivieren. Männer sind immer alle im Licht: Mit Frauen schwimmt man sofort in die schweigende Dämmerung", schrieb Virginia im 1924, als sie ihre Geliebte Vita Sackville-West näher kennengelernt hatte. An diese lesbische Liebe widmet sie einen Roman "Orlando" (1928) -  Biographie eines Aristokraten, der sich in eine Frau umwandelt. Die Schriftstellerin betonte: "... Orlando: Eine Biographie. <...> Aber hör mal: angenommen, es stellt sich heraus, dass Orlando Vita ist und nur von Dir handelt und den Lüsten Deines Fleisches und den Verlockungen Deines Geistes angenommen, es gibt da den Schimmer von Realität, der sich meinen Figuren manchmal anheftet wie der Lüster an eine Austernschale angenommen..."2

Ihre Ehe beschrieb Virginia als fast glücklich, sogar ideal. Leonard Woolf hat sie immer unterstützt und ihre Lebenshaltung akzeptiert.

Verlust und Abwesenheit der Lüge im Herzen von Woolf's Schreibwerken. Sie hat eine Serie von Verlusten erlebt – ihre Halbschwester Stella im 1897, ihr Vater im Jahr 1904, ihr Lieblingsbruder Tobi im Jahr 1906 und ihre Mutter im Jahr 1895. "Woolf published To the Lighthouse on 5 May 1927, the anniversary of the day her mother died, thirty-two years before."3 In diesem Roman führt sie einen Diskurs über die Rechte der Frauen in der Ehe.

Eine der berühmtesten Arbeiten von Virginia Woolf ist der Essay "A Room of One's Own" (1929). In dem Essay reflektiert die Autorin über Frauen und Literatur. Das Hauptproblem der Frauen in der Literatur bis zum 20. Jahrhundert war, dass Frauen kein eigenes Geld, keinen Zugang zu Bildung und kein "eigenes Zimmer" hatten, wo sie ihre schöpferische Arbeit leisten konnten.

Die Autorin hat auch viel Aufmerksamkeit auf das Thema Kunst gelenkt. Sie schrieb den Roman “Between the Acts” (1941) und  zeigt die Umwandlung des Lebens durch die Kunst. Ihre Werke sind alle gut metaphorisch bearbeitet.

Мit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges erleidet sie einen Rückfall in ihre psychische Krankheit und Depressionen aus Angst ihren Mann zu verlieren (er war Jude). Virginia stirbt im Jahre 1941 durch Selbstmord. Leonard Woolf schrieb: "Der Tod war, glaube ich, immer ganz dicht an der Oberfläche von Virginias Gedanken, die Besinnung auf den Tod."

Quellen:

  • Amrain, Susanne (2006): So geheim und vertraut Virginia Woolf und Vita Sackville-West. Suhrkamp.
  • Briggs, Julia (2006): Reading Virginia Woolf. Edinburgh University Press.
  • Schade, Sigrid & Wenk, Silke (2011): Repräsentationskritiken und Politiken der Sichtbarmachung. In dies.: Studien zur visuellen Kultur. transkript: Bielefeld, S. 104-120
  • Woolf, Virginia. Gesammelte Werke Tagebücher 5, 1936-1941. S. Fischer.
  • Virginia Woolf Society of Great Britain http://www.virginiawoolfsociety.co.uk/vw_res.biography.htm
  • Virginia Woolf – The Literature Network www.online-literature.com/virginia_woolf/

Endnoten:

(1) Schade, Sigrid & Wenk, Silke (2011): Repräsentationskritiken und Politiken der Sichtbarmachung. In dies.: Studien zur visuellen Kultur. transkript: Bielefeld, S. 104-120; hier S. 104.

(2) Amrain, Susanne (2006): So geheim und vertraut Virginia Woolf und Vita Sackville-West. Suhrkamp, S. 181.

(3) Briggs, Julia (2006): Reading Virginia Woolf. Edinburgh University Press, S. 1

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