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Susan Sontag (von Franziska Katterl)

Susan Sontag, geboren am 16.Januar 1933 in New York, war eine Rose, welche früher als alle anderen zu blühen und welken begann. Als Schülerin schon literarisch ambitioniert, war sie bereits mit 14 Jahren bei Thomas Mann eingeladen, um mit ihm über seinen Roman „Der Zauberberg“ zu diskutieren. Im Alter von 16 Jahren studierte Susan, zuerst an der Universität von Berkeley, danach an der Universität von Chicago, Französisch, Literatur und Philosophie. Die Heirat des Soziologen Philipp Rieff folgte im Alter von 17 Jahren, mit welchem sie gemeinsam an einer Studie über den Einfluss des Psychoanalytikers Sigmund Freuds auf die moderne Kultur arbeitete. 1959, nach Studienaufenthalten in Berkeley, Cambridge, Harvard, Oxford und Paris kehrte Susan Sontag mit ihrem siebenjährigen Sohn David nach New York zurück, um, frisch geschieden, ein neues Leben zu beginnen. Sontags Traum war es schon seit der Jugendzeit, nicht nur ein einziges Leben zu führen, sondern mehrere vielfältig aneinander folgende Episoden in denen sie verschiedene Persönlichkeiten verkörpern konnte. So entdeckte Susan Sontag auch schon in frühen Jahren ihre Zuneigung zu Frauen, welche sie offen auslebte.  Geprägt von europäischen Kunst- und Denkwelten, versorgte sie Amerika mit Nachrichten über das französische Kino, über die Fotografie Europas, über Barthes, Fassbinder, die kantische Ethik und die benjaminsche Ästhetik. Als eine Art Brücke zwischen den beiden Kulturen wird sie schnell zu Amerikas „Vorzeige“-Intellektueller. Bekannt wird Susan Sontag durch einen Aufsatz über "gay slang", ein Codewort für den ironischen Umgang mit überkandidelten Formen, wie er etwa für Dragqueens typisch ist. Bisher verlief eine Grenze zwischen solchen Pop-Phänomenen und der ernsthaften Beschäftigung mit Kultur, wie sie an den Unis gelehrt wird. Sontag gehört zu einer neuen Generation von Kritikern, die diese Trennung nicht mehr akzeptieren. Sie schreibt kluge Texte über Themen, die bisher tabu waren: Pornografie, Science-Fiction und die eigenen Krebserkrankungen.

"Der Welt meine ungeteilte Aufmerksamkeit angedeihen lassen - diesem Auftrag widme ich mich. Das ist mein Job, meine Profession, meine Lebensaufgabe."1)

Das tat sie sowohl als Schriftstellerin, Kritikerin, Filmemacherin, Dramatikerin, Professorin und als Politikerin. 1968, während des Vietnam-Kriegs, reist die Schriftstellerin nach Hanoi, wo sie einen Reisebericht verfasste welcher ihren Ruf als „Amerikas öffentliches Gewissen“ zu sein, unterstrich.  Auch während des Jugoslawien-Kriegs verbringt Sontag drei Jahre im belagerten Sarajevo und inszenierte dort die bosnische Erstaufführung von Becketts »Warten auf Godot«. Die Heuchelei der US-Regierung angesichts des Folterskandals im Abu-Ghraib-Gefängnis 2004 schockiert sie: „Als ob diese Bilder selbst das Entsetzliche wären und nicht das, was sie zeigen“.

1963 veröffentlichte sie mit „The Benefactor“ ihren ersten Roman. Mehr Beachtung fanden ihre Essays, die ab 1962 in avantgardistischen Kunst- und Literaturzeitschriften erschienen. Breite Aufmerksamkeit wurde dem Essay »Notes on Camp« (1964) zugeteil. Nach den Vietnam-Erlebnissen wandte sich Sontag dem Film zu. Ihr erster Film (Buch und Regie) entstand 1969 in Schweden mit dem Titel „Duet for Cannibals“, 1974 stellte sie ihren Dokumentarfilm „Promised Lands“ über den Yom-Kippur-Krieg vor und musste in den USA den Vorwurf hinnehmen, zu propalästinensisch Stellung bezogen zu haben.

Als 1976 bei ihr zum ersten Mal Krebs festgestellt wird, schreibt sie ihren Essay „Krankheit als Metapher“ und resümiert 1988 in einem weiteren Essay, „Aids und seine Metaphern“:

"Was einen umbrachte, waren nach meiner Überzeugung die Ammenmärchen und Metaphern rund um den Krebs. Die Menschen sollten Krebs einfach als Krankheit begreifen lernen - eine ernste Krankheit, aber eben eine Krankheit, weder Fluch noch Strafe, noch Peinlichkeit ... Und nicht zwangsläufig eine Krankheit zum Tode."2)

Susan Sontags zweite Krebserkrankung führte zum Tode (Susan Sontag ist am 28. Dezember 2004 gestorben). Beeindruckend dokumentiert hat dies die Fotografin Annie Leibovitz, welche Sontags Lebenspartnerin seit 1988 war, in „A Photographer’s Life“.

Verweise:

1) Erschienen in Die Wiener Zeitung „Radikale Wachheit“ am 23.12.2009http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/mehr_kultur/?em_cnt=230491&em_cnt_page=(Stand: 16.03.2015)

2) Erschienen in Telepolis „Die politische Rebellion der Erlebnisse“ am 09.01.2005, http://www.heise.de/tp/artikel/19/19168/1.html (Stand: 16.03.2015)

Weitere Quellen:

  • Erschienen in DIE ZEIT Campus Nr.03/2013, http://www.zeit.de/campus/2013/03/susan-sontag-tagebuch-sexualitaet (Stand 16.03.2015)
  • Erschienen in die DIE ZEIT Nº 50/2007, http://www.zeit.de/2007/50/SM-Sontag (Stand 16.03.2015)
  • Erschienen in Encyclopaedia Britannica, http://www.britannica.com/EBchecked/topic/554590/Susan-Sontag (Stand 16.03.2015)
  • „Regarding Susan Sontag“ by Nancy Kates, HBO Documentary Films

 

 

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