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Mileva Marić-Einstein, auch Милева Марић, ungarische Schreibweise: Mileva Marity (von Elisabeth Eder)

*19. Dezember 1875 in Titel, Vojvodina, Österreich-Ungarn, heute Serbien
†4. August 1948 in Zürich, Schweiz

Mileva Marić wurde am 19. Dezember 1875 im Dorf Titel geboren, in dem sich ihre Familie vorübergehend niedergelassen hatte, nachdem ihr Vater Milos Marić, ein ehemaliger Soldat der K. und K. Armee, Land erhalten hatte. Ihre Mutter Marija Ružić entstammte einer Kaufmannsfamilie. Ihre Eltern erkannten schon früh ihre Begabung für Mathematik und Physik und sie besuchte schließlich als einziges Mädchen mit Sondererlaubnis das Obergymnasium in Agram, dem heutigen Zagreb. Nach ihrem Abschluss ging sie wie so viele in die Schweiz, da nur dort Frauen zum Studium zugelassen waren. Nach einer umfassenden Aufnahmsprüfung schrieb sie sich im Studienfach Physik als fünfte Frau überhaupt  am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich (heute ETH Zürich) ein. Sie besuchte viele Vorlesungen mit Albert Einstein gemeinsam und es entwickelte sich aus Zusammenarbeit und Freundschaft schließlich Liebe. Ihre Rolle bei der Unterstützung von Einsteins Forschung ist höchst umstritten. Ob ihr zweimaliges Scheitern an der Diplomprüfung (sie absolvierte das komplette Studium, teilweise mit den gleichen Noten wie Albert Einstein, und befasste sich in ihrer Forschung mit Wärmeleitung) den patriarchalen Strukturen an der ETH Zürich, ihrer (unehelichen) Schwangerschaft (das Kind wird später bei ihrer Familie geboren und wird nach kurzer Zeit in den Briefen nicht mehr erwähnt), die sie zur Zeit des zweiten Antritts verheimlichen musste oder tatsächlich mangelnder Begabung zuzuschreiben ist, mag vielleicht nie ausreichend beantwortet werden. Über das Ausmaß ihrer Mitarbeit in Einsteins Forschung und vor allem ihre Rolle im "Wunderjahr" 1905 (mehrere vielbeachtete Publikationen, u. a. zur "Speziellen Relativitätstheorie") gehen die Meinungen wie gesagt stark auseinander, die Befürworter_innen stützen sich größtenteils auf Aussagen, die erst viele Jahre nach den Ereignissen in der Biographie von Desanka Trbuhović-Gjurić aufgezeichnet wurden (der patriotische Beweggründe beim Verfassen der Biographie unterstellt werden), auch sind viele Briefe nicht mehr erhalten und können so wenig Auskunft geben. Die Gegner_innen stützen sich hauptsächlich auf das Fehlen dieser, was auch dem Zerstören von Manuskripten und Briefen durch Einstein zu verdanken ist. Albert Einstein erkennt in Briefen Marić als ihm ebenbürtig an, spricht des öfteren von "unserer" Forschung und schließlich wurde das Nobelpreisgeld nach der Scheidung (noch vor Erhalt des Preises wurde dies festgelegt) an sie überschrieben. Auch wenn das genaue Ausmaß ihrer Beteiligung wohl ungeklärt bleiben wird, steht Mileva Marić Einstein auf jeden Fall stellvertretend für viele Frauen, die im Wissenschaftsbetrieb marginalisiert wurden und auch noch werden. Mileva Marić gibt ihre Träume von einer wissenschaftlichen Karriere zugunsten der Familie auf, sie haben nach dem verschollenen, unehelichen Lieserl zwei weitere Kinder: Hans Albert und Eduard. Albert Einsteins Familie sind gegen die Ehe:  wegen ihres serbischen Hintergrundes sowie ihrer angeborenen Hüftfehlstellung. So wird sie nicht nur aufgrund ihres Geschlechts Unterdrückungsmechanismen erfahren haben. Nach zunehmender Entfremdung wird die Ehe schließlich 1919 geschieden. Sie stirbt 1948 verarmt durch die hohen Behandlungskosten für den gemeinsamen jüngeren Sohn Eduard in Zürich.

Anmerkungen

Ich habe mich entschieden, die Biographie weitgehend unverändert zu lassen und ihr repräsentationskritische Anmerkungen nachzustellen. Die Problematik beim Verfassen dieser Biographie ergibt sich zum einen aus der schlechten Quellenlage und den sich entgegenstehenden Interessen der Verfasser_innen von Texten über ihr Leben. Auf der einen Seite stehen kritische und feministische Interessen, die Mileva Marić-Einstein aus den "Schatten der Geschichte" holen wollen und ihr den ihr zustehenden Platz einräumen wollen. Sie stützen ihre Ausführungen wie schon erwähnt auf Trbuhović-Gjurićs Biographie. Auf der anderen Seite die Gegner_innen, die Einsteins Schaffen aus welchen Interessen auch immer unbeeinflusst von äußeren Faktoren sehen wollen. Hier sind dann potentielle Mitwirkende wie Mileva Marić unerwünscht. Eine andere Schwierigkeit war auch, Mileva Marić als aktive Akteurin darzustellen, dies war mir wichtig, aber ich bin nicht sicher ob es mir ganz gelungen ist. Meine Interessen sind nun eher auf der Seite der Befürworter_innen der These, dass Mileva Marić-Einstein während ihrer Ehe und auch schon davor einen (wesentlichen) Beitrag zu Albert Einsteins wissenschaftlichem Schaffen geleistet hat. Leider lässt die Quellenlage aber keinen zweifelsfreien Nachweis zu.

Quellen:

  • Chiu, Charles S (2008):Women in the shadows: Milena Einstein-Marić, Margarete Jeanne Trakl, Lise Meitner, Milena Jesenská, and Margarete Schütte-Lihotzky. (Peter Lang, New York).
  • Troemel-Plötz(1993): Vatersprache, Mutterland. (München, Verlag Frauenoffensive).
  • Trbuhović-Gjurić, Desanka (1993): Im Schatten Albert Einsteins : das tragische Leben der Mileva Einstein-Marić (Bern/Wien, Haupt).
  • Esterson, Allen: Maintaining scholarly standards in feminist literature: The case of Mileva Marić, Einstein's first wife. In: SAGE Open, 2013, Vol.3(1), pp.1-8. (Scopus (Elsevier B.V).
  • Biographie bei Fembio.org (Frauen.Biographieforschung): www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/mileva-maric-einstein/ (17.03.2015).
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