Logo der Universität Wien

Helene von Druskowitz (von Lina Daniel)

Helene von Druskowitz wird am 2. Mai 1865 in Hietzing bei Wien geboren. Ihr Vater stirbt, als sie zwei Jahre alt ist und hinterlässt der Mutter großes Vermögen, mit dem sie ihren drei Kindern eine Ausbildung ermöglicht. Auch Helene von Druskowitz wird in ihrer Karriere unterstützt, was in der österreichischen Monarchie keine Selbstverständlichkeit ist. Mit ihrer Mutter gemeinsam zieht sie nach Zürich, da dort Frauen seit 1867 zum regulären Studium zugelassen sind. Sie studiert Philosophie, Archäologie, Germanistik, Orientalistik und moderne Sprachen und promoviert mit 22 Jahren als erste Österreicherin (und als zweite Frau an der Züricher Universität) in Philosophie.

In vielen Berichten wird die außergewöhnliche Begabung von Helene von Druskowitz hervorgehoben, die diese Erfolge erklären, weniger wird auf die allgemeinen Bedingungen von Frauen in dieser Zeit hingewiesen oder werden ihre Möglichkeiten und Begrenzungen als gesellschaftliche Bedingungen reflektiert.1

Druskowitz arbeitet als Philosophin, Literatur- und Musikkritikerin, Dozentin, Übersetzerin und Schriftstellerin. Sie verfasst neben Gedichten, Dramen und Biografien auch Schriften für die Frauenbewegung und gründet die Frauenzeitschriften "Der heilige Kampf" und "Der Fehderuf". In den meisten Biografien werden ihre Schriften nicht in einen Kontext zur Frauenbewegung gesetzt, sondern als unabhängige Werke dargestellt. Eine denkbare Erklärung ist, dass es so möglich wird, Druskowitz´ Forderungen und Ideen als die einer einzelnen, radikalen Person abzustempeln und nicht als die einer sozialen Bewegung zu bewerten.2

In ihren Texten beschäftigt sie sich eingehend mit Religionskritik und den Geschlechterverhältnissen. Druskowitz wird meist als radikale Feministin gezeichnet, deren Werke vor allem von Pessimismus und Misanthropie geprägt sind. Sie wird als Differenzfeministin beschrieben und Textpassagen, wo sie das weibliche Geschlecht als das bessere und höherstehende beschreibt, werden zitiert.3 Meist werden die „Pessimistischen Kardinalsätze" als das bedeutendste Werk hervorgehoben, in denen sie für die Teilung der Städte nach Geschlechtern plädiert und für absolute Gleichberechtigung eintritt.

Bekannt wird Druskowitz auch durch ihre Kritik an Nietzsche. Im Diskurs über sie finden sich oft Beschreibungen ihrer Person aus seiner Sicht, nur selten kommen ihre Schriften zu Wort, in denen sie ihn kritisiert.Die große Aufregung darüber könnte darauf hinweisen, wie groß der Normbruch war (und ist), dass Druskowitz es gewagt hat, als Frau einen bekannten Philosophen zu kritisieren.

Ihr Leben wird als tragisch konstruiert und ihr Aufenthalt in der Psychiatrie als wichtiger Teil ihrer Biografie hervorgehoben. Als Auslöser für ihre psychische Krise werden vor allem individuelle und persönliche Probleme aufgezählt, es wird wenig nach strukturellen Schieflagen und gesellschaftlichen Verhältnissen gefragt, die zu einer Einweisung führen können.So wird hervorgehoben, dass sich ihre langjährige Lebensgefährtin Therese Malten, eine Dresdner Opernsängerin, kurz davor von ihr trennt, da sie durch die Beziehung zu einer Frau nicht ihre Karriere gefährden will. Die Trennung, der Tod der Mutter, akute Geldsorgen sowie Drogen und Alkoholmissbrauch sollen zur Krise geführt haben. Druskowitz wird in die Heilanstalt Mauer-Öhling eingeliefert und entmündigt. Auch in der Psychiatrie schreibt und publiziert sie weiter. Bis zu ihrem Tod verbleibt Helene von Druskowitz in der Psychiatrie, wo sie nach 27 Jahren Gefangenschaft am 31. Mai 1918 verstirbt.

Die Geschichte von Druskowitz kann sehr unterschiedlich gelesen und interpretiert werden. Die Erzählung Lesart, die ich hier anbieten will, ist die einer starken Frau, deren Leben geprägt ist von einem Sich-nicht-anpassen-Wollen an die Norm und von wütenden Protesten. So kann vielleicht auch ihr „Leben im Wahnsinn" als Rebellion gegenüber der Rolle, die Frauen zu spielen hatten, gesehen werden.

Quellen:

Endnoten:

(1) vgl. u.a. http://www.meinhard.privat.t-online.de/frauen/druskowitz.html [02.04.2015]

(2) vgl. u.a. http://www.univie.ac.at/biografiA/daten/text/bio/druskowitz.htm [02.04.2015]

(3) vgl. u.a. http://www.meinhard.privat.t-online.de/frauen/druskowitz.html [02.04.2015]

(4) vgl. u.a.http://de.wikipedia.org/wiki/Helene_von_Druskowitz [02.04.2015]

(5) vgl. u.a.http://de.wikipedia.org/wiki/Helene_von_Druskowitz [02.04.2015]

Kontakt

T: +43-1-4277-18452


Referat Genderforschung
Campus d. Universität Wien
Spitalgasse 2-4 / Hof 1.11
1090 Wien

Öffnungszeiten der
StudienServiceStelle:
DI 15-17 Uhr
Do 12-14 Uhr

Termine außerhalb der Öffnungszeiten sind nach Vereinbarung möglich.

Bibliothek:
DI 14-17 Uhr
DO 13-16 Uhr

E-Mail Studium:
spl.genderstudies@univie.ac.at

E-Mail allgemein:
office.rgf@univie.ac.at
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0