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Hannah Arendt (von Susanne Konrad)

Hannah Arendt stand der Frauenbewegung ihrer Zeit, aber auch anderen ideologischen und politischen Bewegungen, die auf der Basis einer gemeinsamen Identität fungieren, kritisch gegenüber. Gemeinsame Identität zerstört den politischen Raum und die Vielfalt der Akteuer*innen. Arendts Vorstellung einer Identität kann als eine performative gelesen werden, da sie immer wieder auf die menschliche Pluralität, Vielfalt und Differenz verwies, die sie als Grundvoraussetzung für das Handeln und Sprechen ansah:

„Sprechend und handelnd unterscheiden sich Menschen aktiv voneinander" (Arendt 1981: 214). 

Dies sind Grundvoraussetzungen für politisches Handeln bei Arendt.

Die Trennung von Politik (Öffentlichem) und Privatem (Ökonomie, Notwendigkeiten und Zwänge) ist für Arendt dahingehend wichtig, dass mit einer Vermischung der beiden Bereiche im politischen Raum nicht mehr vorurteilsfrei, objektiv und frei denkend agiert werden könne. Der Bereich des Politischen müsste frei von Zwängen und Notwendigkeiten bleiben. Bei einer Vermischung würde eine Art „Gleichschaltung", Normierung und Ökonomisierung der Politik stattfinden. Weiters kritisierte sie auch, dass Wissenschaft immer mehr zur Nationalökonomie gehört. Durch die Entstehung einer Massengesellschaft wird der private sowie der öffentliche Raum zerstört.

Eine Auseinandersetzung mit der Kritik Arendts und ihrer Distanz zu Identitätspolitiken, dem Begriff des Handelns, sowie die Auseinandersetzung mit den Bereichen Öffentlich (Politik) und Privat sind heute sicher eine Reflexion wert, die sich gut in aktuelle, feministische Strömungen einbetten lässt.

Sie verstand sich als frei denkende, unabhängige und kritische Person, die in einer (damals) fast ausschließlich männerdominierten Wissenschaft ihren Platz gefunden hat, ohne erst rückwirkend von der feministischen Geschichtsschreibung entdeckt zu werden.

Am 14. Oktober 1906 wurde Hannah Arendt als Tochter von Paul und Martha Arendt in Hannover geboren und wuchs in einem jüdisch-sozialdemokratischen (nicht religiösen) Haushalt auf. Von 1924 bis 1928 studierte Arendt Philosophie, Theologie und klassische Philologie in Marburg, Freiburg und Heidelberg. Sie promovierte 1928 bei Karl Jaspers mit einer Arbeit über den Liebesbegriff bei Augustinus. Später verrichtete sie politische Arbeit für jüdische Organisationen in Berlin und floh 1933 nach Paris (erstes Exil), emigrierte 1941, nachdem sie im Auffanglager Gurs gewesen war, in die USA. Gestorben ist Hannah Arendt am 4. Dezember 1975 in New York an einem Herzinfarkt.

Hannah Arendt war Denkerin, Philosophin und politische Theoretikerin. Ihr Hauptwerk, das 1951 unter dem Titel „The Origins of Totalitarianism" (dt. 1955: "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft") in den USA erschien, machte sie weltberühmt. Im Anschluss daran erschien 1958 „The Human Condition" (dt. 1960: „Vita activa"). Für die Zeitschrift The New Yorker schrieb sie über den Eichmannprozess in Jerusalem 1961. Daraus entstand das Buch „Eichmann in Jersualem" (1963), das heftige Debatten auslöste. Weitere Werke folgten. Hannah Arendt war als Lektorin (1946-1948), freie Schriftstellerin und Professorin tätig.

Quellen:

  • Arendt Hannah: Vita activa oder Vom täglichen Leben. München 1981.
  • Elisabeth Young-Bruehl, 2013 (3.Auflage): Hannah Arendt. Leben, Werk und Zeit. Fischer Verlag. Frankfurt am Main.
  • https://www.dhm.de/lemo/biografie/hannah-arendt
  • hannah-arendt-hannover.de
  • https://www.youtube.com/watch?v=J9SyTEUi6Kw - Hannah Arendt im Gespräch mit Günther Gaus
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