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Camille Claudel, 1864-1943 (von Harald Schifferl)

Erst rund 50 Jahre nach ihrem Tod wurde Camille Claudel als das (wieder)entdeckt, was sie war - als bedeutende Bildhauerin. In Biographien wird sie stets in Abhängigkeiten zu anderen Personen (Vater, Mutter, Bruder, Geliebten) herausgehoben. Dementsprechend ist sie oft auch als Schwester des Dichters Paul Claudel und als Mitarbeiterin und Muße vonAuguste Rodin bekannt. Der Vater förderte und finanzierte die Begabung der Tochter. Das Verhältnis zur Mutter wird von Geburt an äußerst schwierig und von Ablehnung durch die Mutter geprägt, beschrieben. Mit 18 Jahren besuchte sie in Paris die private Académie Colarossi (Frauen waren zur damaligen Zeit nicht zum Studium an staatlichen Akademien zugelassen) und teilte sich mit anderen Frauen ein Atelier, in dem Auguste Rodin regelmäßig zu Korrektur kam. Claudel tritt in die Werkstatt von Rodin ein und ist dort Helferin, Inspiratorin und auch Modell.

Im Gegensatz zu Rodin bekam Claudel kaum öffentliche Aufträge und auch nur wenige ihrer Werke wurden vom Staat gekauft. Ihre finanzielle Situation war daher immer prekär und so musste sie sich oft auf kleinformatige Skulpturen beschränken. Claudel war 15 Jahre die Geliebte von Rodin. Ein offizielles Bekenntnis zu ihr gab der 24 Jahre ältere Künstler jedoch nie ab und so beendete Claudel Ende der 1890er Jahre enttäuscht diese Beziehung und brach den Kontakt ab.

Ihre Werke sind geprägt von einer lebendigen, realistischen Gestaltungsweise. Es wird betont, dass sie ihre Lebens- in ihren Werken ausdrückt und sie mit ihren Händen formt, was aus ihrem Inneren heraus will. Sie stellt in ihren Figuren seelische Vorgänge dar, wie es dies zuvor noch nicht gegeben hat. Z.B. „Der Walzer" - Ein Mann und eine Frau im Rausch des Tanzes miteinander vereint. Claudel wusste um die Abhängigkeit der Frauen in einer von Männern bestimmten Zeit Bescheid. So stellt ihr Werk „Flehende" eine auf Knien liegende, weit vornüber gebeugte junge Frau dar, die klagend die Arme nach dem Mann ausstreckt, der sie verlassen hat.

Nach dem Tod des Vaters wurde Claudel 1913 auf Initiative von Mutter und Bruder gegen ihren Willen in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, in der sie 30 Jahr lang, bis zu ihrem Tod, blieb. Die Einweisung war medizinisch nicht eindeutig indiziert, sie erfolgte, weil sich die Familie ihrer schämte und sie als Belastung empfand. So sorgte sich ihr Bruder Paul um seine eigene Doppelkarriere als Diplomat und Dichter. In Briefen an Mutter und Bruder bat sie mehrmals vergebens um Freiheit.

Das Leben von Camille zeigt das Beispiel einer begabten Frau, die keine eigene Karriere machen durfte; unterdrückt, psychisch gebrochen und bis an ihr Lebensende eingesperrt wurde. Während Paul Claudel und August Rodin als große Männer Karriere machten. 
Trotz ihres unermüdlichen Ringens um eine eigene künstlerische Identität weist ihr Werkverzeichnis keine 100 Nummern auf. Einiges ist verschollen oder wurde von ihr selbst zerstört.

Quellen:

  • Delbeé, Anne 2003: Der Kuss. Kunst und Leben der Camille Claudel. München.
  • Paris, Reine-Marie 2007: Camille Claudel 1864 - 1943. Frankfurt am Main.
  • Fischer, Christina 2007: Vernichtung einer Künstlerin. In: unsere zeit - Zeitung der DKP. 16. 03. 2007. URL: http://www.dkp-online.de/frauentag/uz/39111302.htm (16. 03. 2015)
  • o.A. o.J.: Suzanne Bohn rückt Camille Claudel zum Frauentag und Geburtstag des Frauenhauses ins rechte Licht. Ein bewegendes Frauenschicksal wühlt auf.
  • URL: http://www.diakonie-ruhr-hellweg.de/default.aspx/G/111327/L/1031/R/-1/T/118073/A/2/ID/122843/P/0/LK/-1 (16. 03. 2015)
  • de.wikipedia.org/wiki/Camille_Claudel (16. 03. 2015) 
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